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Buchauszug von Chris Weißmann

Chris Weißmann über sein Buch

Mein Name ist Chris Weißmann und ich habe das Buch "Die grüne Schere" geschrieben. Darin schildere ich den Umgang mit meiner Krankheit, der Bipolaren Störung. Zunächst erzähle ich von dem Weg in die Klinik aufgrund einer Depression, das was mir über drei Monate hinweg wieder Kraft und Mut gegeben hat und schließlich der Weg zurück ins Leben. Leider entwickelte sich alles im folgenden Winter, ein Jahr später, noch viel heftiger. Ob es an einem falschen Medikament oder an irgendeinem anderen Grund lag, kann nicht mehr gesagt werden. Es ist nun eine hypomane Phase, die mir zu schaffen macht. Sie raubt mir erneut sechs Wochen Schulzeit und führt mich in die geschlossene Jugendpsychiatrie. Doch ich gebe nicht auf und fasse den Traum von einer besseren, toleranteren Welt.

Hier der Link zum Buch http://www.papierfresserchen.de/texte/seite.php?id=155315

Wer direkt mit mir Kontakt aufnehmen möchte, kann dies unter der E-Mail-Adresse chris.w.m@web.de tun.

Buchauszug

Hoffnungslos

Alles ist grau. Die Hoffnung ist verschwunden. Die letzten Tage, Wochen, Monaten, das letzte  Jahr. Ich blicke aus dem Fenster. Ein paar Patienten kicken unten auf dem Fussballplatz. Der eine hat eine Aggressionsstörung, der andere ist Borderliner. Der Dritte ist ein Emo, der sich fast bis zum Verbluten geritzt hat. Der Vierte hat irgendwas anderes Schlimmes. Ein bunter Haufen eben. Es fehlen Essgestörte und Autisten, die dürfen, bzw. wollen nie spielen. Ich auch. Ich schaue wieder auf meine Zettel. Vier Seiten sind es schon, sie sollen den Abschied leichter machen, irgendetwas zurückgeben.

Die letzten Zeichen gleiten durch meine Hand vom Kugelschreiber über das Papier. Dann schreibe ich noch die Passwörter für Mail und Facebook dazu und ein "Macht's gut!".

Ich stehe auf, nehm' eine Schere, gehe aus dem Zimmer, über den Flur und stehe plötzlich mitten vor einer Betreuerin.

"Puh!"

"Chris, es ist zum Essen!"

"Ich komme gleich, muss nur noch schnell auf's Klo!"

"Ok!"

Zittrig öffne ich die Türe der Toilette und schließe Sie mit Herzrasen hinter mir. Im Waschbeckenbereich des WC's gehe ich nun in die Knie, so wie in den letzten Wochen auch. Ich öffne die Schere und fahre mit dem Eisen in die Steckdose. Währenddessen berühre ich mit den Fingern das Eisen.

Diagnose

Emotional bin ich ein Kämpfer geworden, mein Wille ungebrochen, meine Ausdauer ewig, die Leidenschaft riesig. Egal, ob es um das Herz eines Mädchens, meine engsten Freunde, Bekannte, Familienmitglieder oder wen auch immer geht: Schwieriges mit Menschen erfolgreich zu meistern, das ist doch das Schönste im Leben. Allerdings nur dann, wenn man nicht selbst in einer schwierigen Situation ist. Ich bin in einer schwierigen Situation, ich muss für mich selber kämpfen, aber weil das Sinn macht, tu ich das!

Es ist ein Kampf gegen die von den Ärzten derzeit vermutete Diagnose “Bipolare Störung”, eine Stoffwechselkrankheit im Gehirn, die extreme Stimmungsschwankungen auslöst, deren Folgen von Suizidgedanken und depressiven Episoden bis zu Phasen überdimensionaler Selbsteinschätzung und fantasiereicher Grandiosität reichen und das im Zeitraum von Wochen, höchstens Monaten! Derzeit bin ich in der Hochphase, das zeigt sich allein dadurch, dass ich anders als in Zeiten in denen ich depressiv war, überhaupt über meine Gefühle schreiben kann! Die Symptome und Folgen dieser Krankheit sind nur leicht in Erscheinung getreten, dennoch muss ich Medikamente dagegen einnehmen. Ich bin aus der Hypomanie heraus nur leicht in die Endphase, der reinen Manie gekommen. Allmählich geht es mir besser, ich komme auf den Boden der Tatsachen zurück.

Wie lange mein Kampf mit mir selbst noch dauern wird, ist ungewiss. Fest steht nur, ich werde nicht aufgeben! Die beste Beschreibung für meinen Kampf ist, dass ich gegen ein Gefühl antrete, bei dem ich mir einbilde, dass meine Seele, ja mein ich, stirbt. Das kommt von dem Medikament, es wirbelt in meiner Gefühlswelt schrecklich umher und nimmt mir all meine Kraft und Lebensfreude, die ich vorher hatte! Kann das gut sein? Ich kämpfe auch gegen diese Wut, weil ich wegen dieser Krankheit nicht in die Schule gehen darf, nicht zu Hause sein darf, sondern zum zweiten Mal in einer Klinik sein muss und nicht ganz ich sein kann.

Ja, ich bin gerade zum zweiten Mal in der Klinik. Ich kämpfe gegen dieses Gefühl, dass mir meine Freiheit geraubt wird. Zuhause kann ich mich, ohne auch nur eine Menschenseele zu sehen, über mehrere Kilometer weit frei bewegen. Diese schwierige Situation hält mich nun schon seit mehr als einem Jahr fest, emotional kann in einem Jahr nicht mehr passieren, es war meist eine Zeit des starken Leidens. Hinter mir liegt ein langer Leidensweg, der wohl bald sein Ende findet, wenn ich auch noch einmal stärker denn je leiden muss. Mein Kämpfen beginnt am 31.01.2011 mit der Aufnahme in eine geschlossene psychiatrische Station. Diagnose: mittlere depressive Episode! Ich habe viele starke Leute seitdem kennengelernt, die gelitten haben, enorm gelitten haben, gekämpft haben, innerlich geschrien haben, gearbeitet haben, gerackert haben, für ein einziges Ziel - dass sie von alledem loskommen, sich befreien, sodass es ihnen wieder gut geht und dass sie wieder zu einem normalen Leben zurückkommen.

Aber zurück zu meinem Leidensweg! Er beginnt eigentlich damit, dass ich als einziger Junge auf die weiterführende Schule, das Gymnasium, komme, als einziger Junge, der es von meiner Grundschule dorthin geschafft hat. Doch schlecht ging es mir da noch nicht! Erst als ich in der 8. Klasse eine Party mache, die am ersten Ferientag stattfindet, stelle ich fest, dass sich keiner für mich interessiert. Von sich aus meldet sich den Rest der Ferien keiner.

Nach der Party fahre ich mit dem THW ins Zeltlager und versuche mich dort wohl zu fühlen - ich fühle mich bedrückt! Ich merke, dass sich sonst nichts rührt, wir, das heißt mein Onkel, ein Freund und ich, fahren noch gemeinsam in die Allianz Arena, Abschiedsspiel von Franz Beckenbauer: Real Madrid gastiert bei den Bayern. Es ist nicht das erwartete Highlight. Die Stimmung ist schlecht. Ich bin enttäuscht. Ich merke, ich habe keine richtigen Freunde oder will nur keiner die zehn Kilometer nach Bomheim auf sich nehmen? Ja und ich laufe die ganzen Ferien lang auch keinem Klassenkameraden zufällig über den Weg! Wo denn auch? Was ich nicht merke oder mir nicht bewusst ist, ist, dass sich die Depression einschleicht.

In den Ferien kann ich ansonsten nicht mehr viel bewegen, vor allem, was die emotionale Basis zwischen zwei Menschen oder wie viel auch immer angeht, habe ich keine tiefergehenden Erfahrungen mehr. Ich weiß noch gut, wie sehr ich gespürt habe, dass etwas nicht passt und dass ich etwas ändern muss. Doch am letzten Ferientag versinke ich dennoch in Armut an Lebensfreude und Antriebslosigkeit. Ich weiß, dass ich noch nicht genug erholt bin, um in die Schule zu gehen und ich weiß, dass alles in zunehmender und überlaufender Angst und Panik enden kann oder sogar enden wird und ich weiß, dass alles nur schwer zu greifen ist, nicht aber, dass es schon Depression ist. Ich weiß nicht mal was all das überhaupt soll, geschweige denn was Depression überhaupt ist und wie man damit umgehen muss. In den letzten zwei Wochen der Ferien traf ich mich noch ab und zu mit einem Nachbarsjungen, aber jetzt gibt es keine Menschen, die mir helfen, meine Situation zu verstehen oder mich anderweitig stützen.

Keiner der vielen Menschen in meiner Umgebung, der sieht, dass etwas nicht stimmt, keiner der sieht, dass ich etwas verberge, dass ich etwas nicht zeigen kann, etwas nicht benennen kann. Ich versuche, mich zu wehren, aber alleine geht das nicht und ja, ich fühle mich alleine, leer, ausgelaugt, emotional verarmt. Jetzt bleiben mir nur noch zwei Urlaube, die mir helfen könnten, wieder die Sonnenseiten des Lebens zu sehen. Der Familienurlaub in Kärnten, und der Urlaub, der mir wirklich gefallen hat, der Urlaub im Pott, dem Ruhrgebiet! Was mir nicht hilft, sondern die Situation nur schlimmer macht ist der Urlaub in Kärnten! Keine positiven, weiterhelfenden Gespräche, nur schlechte Gedanken und Gefühle! Keine Mimik, keine Gestik, was für ein Handeln!?

Der letzte Ferientag ist wie eine Qual, verregnet und innerlich grau. Ich fahre ins Tennisheim, um ein Vereinsmeisterschaftspiel zu bestreiten, aber es hat den ganzen Nachmittag geregnet. Mittlerweile könnte man vielleicht gerade so wieder spielen, kein Regen mehr. Ich werde von meinem Gegner nicht informiert, er dachte wohl gar nicht im Traum daran zu spielen und so sitze ich in der Nähe des Telefons und warte. Dann rufe ich zu Hause an und mir ist bewusst, dass meine Stimme keinen Ausdruck hat, übermittle es meiner Mutter auch, aber die spricht nur von Gelassenheit, Disziplin und Überbewertung der Situation. Ich bin depressiv!

Aber wie! Ich habe mich mit meinen schlechten Gefühlen und Sorgen versteckt. Im Urlaub im Pott hat sich all das ein wenig geändert, ein wenig habe ich mich gegenüber meiner Familie öffnen können, über all das reden. Der Urlaub an sich war toll, ich will wieder mal dorthin, die Städte an Rhein und Ruhr, die riesigen Fußballstadien, die netten, offenen Leute, die gerne aus dem Nähkästchen plaudern. Hier kann und habe ich wirklich ein wenig loslassen und genießen können, ein Kultururlaub der ersten Klasse, ich liebe den Pott! Angesichts der kurzen Urlaubswoche und dem darauffolgenden Schulanfang ist es allerdings nicht verwunderlich, dass es mir bald wieder genauso schlecht geht wie vor dem Urlaub!

Neues Schuljahr, neue Lehrerinnen und Lehrer, viele Peinlichkeiten, Feeling eines Außenseiters, all das wird mir auch noch immer stärker vor Augen geführt. Ich habe gekämpft, aber auch Noten und Lehrer haben diese Depression genährt, anstatt sie zu lindern! Emotional zu kämpfen und weiter zu machen ging nur, da ich viele emotionale Reserven hatte und zwar durch meine schöne Kindheit. Es gab da viele Situationen, die ich in meinem Brief an die Klasse zusammenfasste, bekommen haben sie diesen Brief aber erst sehr viel später!

In den Weihnachtsferien musste ich über die geschehenen Ereignisse, die mich verletzten, viel nachdenken, es ging mir immer schlechter. Ich habe gemerkt, wie ich zu nichts mehr Zeit habe, obwohl ich nicht viel gemacht habe. Aber es war dann wohl weniger die Zeit als die nicht vorhandene Lust und die Antriebslosigkeit, die mich dazu getrieben haben als THW-Helfer und Tennisspieler Schluss zu machen. Ja, ich habe innerhalb einer Woche gleich zwei Leidenschaften aufgekündigt. Ein Zeichen? Außerdem lag mir ein Start in das letzte Schuljahr im Nacken, den ich heute, mehr als ein Jahr später, nur allzu genau wiedergeben kann.

Erster Schultag, die Plätze werden vergeben, ich sitze neben meinem besten Schulfreund, neben dem ich schon die letzten zwei Jahre gesessen , leider in der ersten Reihe, aber das ist noch akzeptabel. Rechts von mir sitzt ein Neuer, eigentlich ganz OK, doch die Klassenleiterin will nur Zweierreihen, mein Freund muss weg und ... alles beginnt!

Ich will mich mit dem Neuen verstehen, doch das klappt nicht. Ich versuche die Klassenleiterin für eine Umsetzung zu gewinnen und tatsächlich! Nach einem Monat, der nicht einfach für mich war, in dem ich endlich wieder Anschluss zu meinen Freunden gewinnen möchte, diese aber immer mehr verliere, klappt die Aktion. Ich sitze jetzt ganz hinten, neben einem Freund, der mir intellektuell überlegen ist, aber sehr verratscht ist. Alles wieder OK, frag mich nur, wie die anderen die Umsetzung verkraften, aber es sieht gut aus. Gut? Nicht wirklich, die Depressionen nagen weiter, sie werden sogar noch verstärkt, ich kann das erst ein Jahr später in meinem Brief zusammenfassen, Beispiele, die eine Verstärkung bewirkt haben, gibt es genügend.

Weniger Sensibilität wäre angemessen gewesen, aber ich bin nun mal sensibel. Nun, nach den Weihnachtsferien geht ein tief niedergedrückter, depressiver Junge in die Schule. Ihm geht es schlecht, er kann sich nicht konzentrieren und bekommt eine 6 in einer Deutsch-Probe, die Schulaufgabe war bereits eine 5, das drückt. Für mich wirkt all jenes und noch viele andere Dinge, die ich erlebt habe und die vielleicht harmlos waren, gewaltig nach. Heute weiß ich mehr, weiß, warum aus harmlos unglaublich schwer wurde.

 

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