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DGBS-Aretäus-Preis 2014

Preisträgerin Marylou Selo und Prof. Dr. Martin Schäfer

 

Im Rahmen der Jahrestagung 2014 in Würzburg wurde erstmals der Aretäus-Preis der DGBS verliehen. Unsere erste Preisträgerin ist Marylou Selo.

Bei der Auftaktveranstaltung in der Würzburger Neubaukirche am 18. September 2014 hielt der 1. Vorsitzende der DGBS, Prof. Dr. Martin Schäfer, die Laudatio, die hier in Auszügen wiedergegeben wird:

Liebe Mitglieder der DGBS,
liebe Gäste,
liebe Preisträgerin,

mit dem Aretäus-Preis möchte die DGBS langjähriges, vorbildliches und außergewöhnliches Engagement, Mitgefühl und echten Einsatz für Menschen mit einer Bipolaren Störung ehren und anerkennen. Das erforderliche Engagement mit Dauer, Leistung und Intensität ist dabei nicht im Detail definiert. Neben Personen können sich auch Einrichtungen, Vereine, Gemeinschaften oder andere Institutionen für diesen Preis bewerben, wenn sie das außergewöhnliche Engagement darstellen können. Wir wollen hier möglichst viel Freiraum lassen, um auch positiv überrascht werden zu können.

Es geht letztendlich um außergewöhnliches Engagement für die Bipolare Störung. Gibt man nun bei einer Internetsuche das Wort „Engagement“ ein, so erhält man folgende Beschreibungen und Stichwörter:

  • Verpflichtung
  • soziales Engagement
  • freiwilliges und ehrenamtliches soziales Handeln
  • intensiver Einsatz für eine Sache, ähnlich auch „Anstrengung“
  • ein bei Mitarbeiterbefragungen im Marketing verwendeter Begriff als Teil der Erhebung der Mitarbeiterzufriedenheit

Was ergibt sich daraus?

Engagement bedeutet freiwilliges Handeln. Man ist also nicht gezwungen; man sucht sich selbst ein Thema oder einen Bereich aus und handelt, wird  aktiv.

  • Das Engagement ist ehrenamtlich, d.h. man wirkt ohne Vergütung und strebt nicht nach finanzieller Entschädigung in der Sache.
  • Das Engagement ist sozial: Engagement enthält fast immer eine soziale Komponente, die anderen Menschen zugute kommt, man handelt also uneigennützig.
  • Engagement ist intensiv, verlangt Einsatz und eine große Anstrengung, meist über eine lange Zeit. Das bedeutet auch, persönliche Opfer zu bringen.

Mit „außergewöhnlich“ werden Begriffe, wie schnell, stark, langlebig, kraftvoll, aber auch fremdartig verbunden. Letzteres ist eine spannende Assoziation, zeigt sie doch, dass es nicht zur Norm gehört, ein außergewöhnliches Engagement zu erbringen. Und es ist eben keine kurzfristige Entscheidung, sondern ein langer und anstrengender Weg, auf den man sich da begibt.

Ich war sehr erfreut, liebe Marylou, als dein Name unter den vorgeschlagenen Kandidaten fiel. Wie sehr das alles auf dich zutrifft! Das erste, was mir persönlich einfiel, war, dass du immer präsent warst in der Bipolar-Szene und bei der DGBS. Ich kenne die Kongresse seit den Gründerzeiten und kann mich an kaum eine Person so eindrücklich erinnern wie an dich.

In der Vorbereitung der Rede hast du mir mitgeteilt, ich solle einfach sagen, dass du „Erfahrungs-Expertin für die Bipolar-I Störung bist und in dieser Form alles selbst miterlebt hast, von Euphorie bis tiefster Depression und auch höchst unangenehme Mischzustände.“ Nach dem amerikanischen Motto "When life deals you lemons, well then make lemonade" hast du dir vorgenommen, die psychiatrische Behandlung der Bipolaren Erkrankung wenn möglich zu verbessern und Betroffenen zu helfen, dabei trotzdem freiberuflich weiterhin tätig zu sein als Dolmetscherin und Reiseleiterin.

Nehmen Sie sich bitte die Zeit mit mir und lassen sie mich den beeindruckenden Lebenslauf von Marylou Selo skizzieren.

Marylou Selo wurde in Bolivien geboren, wuchs in Holland auf und studierte in Genf und in den USA. Seit 1963 lebt sie hauptsächlich in New York, reist aber dienstlich und privat sehr viel in den USA und Europa. Sie ist Diplomdolmetscherin für Englisch, Deutsch, Niederländisch und Französisch, außerdem als Reiseleiterin tätig.

Nachdem Marylou 1976 bipolar erkrankte, setzte sie sich in Europa und USA für Forschung, Selbsthilfegruppen und Entstigmatisierung psychischer Krankheiten ein. Seit dem Suizid ihres Vaters 1993 ist sie auch in der Suizidprävention aktiv.

1976 hatte Marylou ihre erste Krankheitsepisode, eine Manie. Damals wurde das als "Nervenzusammenbruch" bezeichnet. Die nächste Episode einer Depression wurde verkannt. Vier Jahre später schlug eine neue Manie zu. Diesmal musste sie ins Krankenhaus und wurde als bipolar diagnostiziert. Der Sozialarbeiter im Krankenhaus sagte Marylou, dass sie nie wieder arbeiten könne mit dieser Krankheit. Nach ihrer Entlassung aus dem Spital war sie jedoch fest entschlossen, sich dafür einzusetzen, dass andere Patienten nicht auch an solchen Fehleinschätzungen leiden müssen.

So wurde sie ein Gründungsmitglied der Mood Disorder Support Group of New York. Diese Selbsthilfegruppe tat sich zusammen mit der SHG in Chicago und so entstand 1986 der Dachverband National Depressive and Manic Depressive Association, jetzt Depressive and Bipolar Support Alliance genannt. Marylou war 6 Jahre lang im Vorstand dieser Organisation und macht noch immer internationale Liaison-Arbeiten für sie.

1994, ein Jahr nach dem Suizid ihres Vaters, der in der Schweiz arbeitete und lebte, gründete Marylou die „Werner Alfred Selo Stiftung“ und zusammen mit John Kummer die Schweizer Selbsthilfeorganisation “Equilibrium”. Im gleichen Jahr wurde Marylou eingeladen, Vorstandsmitglied von der NARSAD (National Alliance for Research on Schizophrenia and Depression) zu werden, diese Gesellschaft ist der größte Privatspender bei der Gehirnforschung. Marylou erfüllte zwei Amtszeiten bei dieser wichtigen Organisation.

2006 wurde Marylou Mitglied von IGSLi (International Group for the Study of Lithium), die von dem dänischen Lithium-Experten Prof. Mogens Schou ins Leben gerufen wurde und in der einige ärztliche Mitglieder der DGBS tätig sind. Präsident von IGSLi ist der langjährige DGBS-Vorstand Prof. Dr. Dr. Michael Bauer.

1997 trafen verschiedene Patientenrecht Organisationen aus vielen Ländern in Venedig zusammen, um GAMIAN (Global Alliance of Mentally Ill Advocacy Networks) zu gründen. Marylou wurde Präsidentin des Lenkungsausschusses für GAMIAN Europe und ist auch Mitglied der amerikanischen Filiale mit Sitz in New York.

Zusätzlich vertritt Marylou Selo die Schweiz im Vorstand der European Depression Association in Brüssel. Sie ist Mitglied der bipolaren Gesellschaften in der Schweiz, Österreich und Deutschland.

Neben diesen offizielle Ämtern hat sie die Basis aber nie verlassen. Sie vertritt Patienteninteressen und hält Vorträge in Europa und in den USA. Außerdem beantwortet sie täglich viele E-Mails von Patienten und Angehörigen, die sich direkt an sie wenden. Aktuell hat sie am 4. Sept. 2014 die Kampagne „Depression und Arbeit“ eröffnet und während wir ihr mitteilten, dass sie für den Preis vorgeschlagen wurde, war sie gerade dabei, Aktionen für den „World Suicide Prevention Day“ vorzubereiten.

Ich denke, nun sind alle überzeugt, dass wir eine würdige Preisträgerin gefunden haben.

Liebe Marylou Selo, ich darf dir nun im Namen der DGBS als erste Preisträgerin den Aretäus-Preis der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen überreichen.

Herzlichen Glückwunsch!

 

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