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"Ist eine Heilung überhaupt möglich?"

Nach dem jetzigen Stand der Dinge muss man leider antworten: Die medizinische Wissenschaft kennt bis jetzt keine gesicherten Heilungswege. Uns sind Fälle bekannt, bei denen die Symptome im Alter schwächer werden, ganz ausbleiben oder nur sehr wenige Krankheitsepisoden erlebt werden. Der weitaus größte Teil aller Betroffenen muss sich jedoch ein Leben lang der Erkrankung stellen. Durch die eigene Auseinandersetzung mit der Erkrankung kann man aber lernen, sich so weit zu steuern, dass zumindest die extremsten Spitzen nach oben oder unten nicht mehr erreicht werden; in manchen Fällen gelingt es sogar, so gut wie keine übermäßigen Stimmungsschwankungen mehr zu erfahren.

Was erreicht werden kann, ist eine weitgehende Symptomfreiheit, das heißt, die einzelnen Episoden laufen nur noch in so abgeschwächter Form ab, dass sie keine Beeinträchtigung der Lebensführung mehr darstellen. In den meisten Fällen ist die Voraussetzung hierfür das Finden einer geeigneten Medikation (Phasenprophylaxe) mit gleichzeitiger psychotherapeutischer Behandlung. Es ist aber sehr schwierig, hier zu verallgemeinern. Bipolare Erkrankungen können sich in so unterschiedlicher Form äußern, dass man geneigt ist zu sagen, es gibt so viele verschiedene Bipolare Störungen wie es Betroffene gibt. Schon beim zeitlichen Ablauf trifft man auf eine extreme Bandbreite, angefangen von sogenanntem Ultradian Rapid Cycling mit mehrmals täglich auftretenden Wechseln zwischen Hochs und Tiefs bis hin zu Verläufen, bei denen zwischen den einzelnen Episoden Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte liegen können. Manche sind auf eine dauernde Einnahme von Medikamenten angewiesen, bei anderen reicht eine genaue Selbstbeobachtung und im gegebenen Fall der Einsatz einer Akutmedikation aus, um beginnende Krankheitsepisoden auszubremsen.

Das Finden einer geeigneten Medikation ist oft schwierig und kann den Betroffenen und ihren behandelnden Ärzten viel Geduld abverlangen. Was beim einen wirkt, muss dem anderen nicht zwangsläufig ebenfalls nützlich sein. Einige Medikamente entfalten ihre Wirkung erst nach Wochen oder Monaten, weshalb die Suche nach einer passenden Medikation manchmal lange dauern kann. Falls man es geschafft hat, das Auftreten erneuter Krankheitsepisoden durch individuelle Therapiemaßnahmen zu verhindern, sollte man trotzdem nie seine Achtsamkeit verlieren, denn das Risiko eines Rückfalls bleibt meist ein Leben lang.

Wichtig ist auf jeden Fall eine regelmäßige fachärztliche Betreuung, die von einem vertrauensvollen Verhältnis zwischen Arzt und Patient geprägt sein sollte. Ein durch Therapie, Psychoedukation, Engagement in der Selbsthilfe und anderes gut reflektierter Patient vermag entscheidend zum Finden seiner ganz individuellen Therapiekombination beizutragen. Er kann durchaus zum mündigen Partner seines Arztes werden, mit eigener Verantwortung dem Ohnmachtsgefühl gegenüber dieser Erkrankung begegnen und damit Selbstheilungskräfte mobilisieren.

 

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