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Seminarreihe "Lernort Selbsthilfe"

Qualifizierung der Selbsthilfegruppenarbeit in der DGBS

Seit Ende 2011 ist eine Arbeitsgruppe von Betroffenen und Angehörigen der DGBS dabei, in einem extern moderierten Prozess ein Qualifizierungsprogramm für Leiterinnen und Leiter sowie Mitglieder von Selbsthilfegruppen für Bipolare Störungen zu entwickeln.

Was heißt Qualität in der Selbsthilfe?
Ein Qualifizierungsprogramm soll in der Regel Orientierung geben, Standards setzen und für Transparenz sorgen. Ein wichtiges Ziel ist häufig auch die Stärkung des Zusammenhalts der Beteiligten. Kurzum - es geht um eine Steigerung der Qualität. Was aber heißt Qualität im Zusammenhang mit Selbsthilfe und Ehrenamt? Da es Qualität per se nicht gibt, sondern immer in Relation zu den aufgestellten Zielen zu betrachten ist, stellt sich die Frage nach einem geeigneten Maßstab. Betrachtet man die Aktivitäten und Angebote der DGBS als einer trialogisch aufgestellten Organisation, ergibt sich folgendes Bild: Neben dem vielfältigen Angebot des Selbsthilfenetzwerkes, wo Betroffene und Angehörige Informationsmaterialien und über eine Telefonhotline ehrenamtliche Laienberatung erhalten, finden sich Fachleute, die sich vor allem für Forschung und die Entwicklung von medizinischen Leitlinien einsetzen. Ein wichtiges Feld ist die gesundheitspolitische Interessenvertretung und Lobbyarbeit, die vielfältige Vernetzung, Öffentlichkeits- und Pressearbeit, die von allen der drei beteiligten Interessengruppen vorangetrieben wird.


Bei Betrachtung der Arbeit der DGBS wird somit zweierlei deutlich: Zum einen verfügen der Verein, seine haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und seine Mitglieder über ganz unterschiedliche Kompetenzen - zum anderen können die verschiedenen Angebote der DGBS nicht mit demselben Maßstab gemessen werden. Es bleibt also die Frage nach dem „richtigen“ Maßstab für die Qualität der Gruppenarbeit!


Orientierung an der Betroffenenkompetenz
Grundsätzlich orientieren sich Selbsthilfegruppen in ihrem Tun vorrangig an ihrer „erlebten und erlittenen“ Kompetenz, der so genannten Betroffenenkompetenz, die sich durch die persönliche Erfahrung im Umgang mit der Erkrankung und deren Folgen speist. Als „Experten in eigener Sache“ wissen sie am besten um ihre Probleme und Bedürfnisse und um die anderer Betroffener (vgl. Moeller 1978, Trojan 1986, Grunow 1998, Sachverständigenrat 2001). Durch den Umstand der Gleich- oder Mitbetroffenheit kann in der Gruppe also ein ganz wesentlicher Teil an psychosozialer Unterstützung erbracht werden. Das ergänzt die Kompetenz der Fachleute und professionellen Behandler, ersetzt sie aber selbstverständlich nicht. Die Wahrung dieser Grenze schützt nicht nur Ehrenamtliche vor Überforderung und Ratsuchende vor Fehlinformationen, insbesondere wird verhindert, dass der gute Ruf der Selbsthilfe in Gefahr gerät.

Auch unsere Projektgruppe orientiert sich bei der Erstellung des Qualifzierungs-programms primär an der Kompetenz der Betroffenen. Selbsthilfegruppen der DGBS profitieren nicht nur von der persönlichen Erfahrung einzelner Gruppenmitglieder, sondern maßgeblich auch vom Wissen, das die DGBS über viele Jahre zusammengetragen, gebündelt und dokumentiert hat. Dabei handelt es sich vor allem um Wissen zur Bewältigung der Bipolaren Störung, zum Umgang mit dem Versorgungssystem, aber auch zu Gruppenarbeit, zu Öffentlichkeitsarbeit etc. Die Qualität der Arbeit orientiert sich insofern am individuellen Wissen jedes einzelnen sowie am kollektiven Wissen des gesamten Vereins.


Drei Basismodule – drei Aufbaumodule

Die Projektgruppe „Lernort Selbsthilfe“ erstellte im Rahmen von sechs moderierten Workshops ein Basis- und ein Aufbauseminar mit jeweils drei Modulen (vgl. Tabelle unten). Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Bedeutung und der Umgang mit einer psychischen Störung sich deutlich von einer somatischen chronischen Erkrankung unterscheidet.

Das erste Modul des Qualifizierungsprogramms beschäftigt sich deshalb auch mit dem Wissen über und Umgang mit der Bipolaren Störung. Der Schwerpunkt liegt nicht in der Vermittlung von reinem Fachwissen, vorrangig geht es um die Thematisierung des besonderen Wissens der Betroffenen und Angehörigen im Erleben und Bewältigen des Alltags. Aber auch gesellschaftliche und gesundheitspolitische Fragen sowie die Möglichkeiten für Betroffene, hier Einfluss zu nehmen, werden in diesem Zusammenhang aufgeworfen. Dass die DGBS dabei eine zentrale Rolle spielt, liegt auf der Hand. Der Verein mit seinem Selbstverständnis, seinen Chancen und Besonderheiten ist Thema des zweiten Moduls. Die Anbindung der Gruppensprecher an die DGBS soll durch das Qualifizierungsprogramm verbessert, die vorhandenen Kommunikationswege transparenter werden. Das dritte Modul des Basisseminars beschäftigt sich schließlich mit der Selbsthilfegruppenarbeit und der Selbstfürsorge derer, die sich für die Gruppen engagieren.

Im ersten Modul des Aufbauseminars wird die zentrale Frage nach Selbstkompetenz und Kommunikation erörtert und geklärt. Die Teilnehmer lernen ihre Rolle als Funktionsträger wahrzunehmen, sich aber auch abzugrenzen. Die Frage nach dem eigenen Ich spielt hierbei eine ausschlaggebende Rolle. Das zweite Modul des Aufbauseminars befähigt die Teilnehmer zu mehr Konfliktkompetenz. Immer wieder kann es zu Konflikten im Miteinander kommen. Hiermit entsprechend umgehen zu können und sich nicht selbst zu sehr in den Strudel ziehen zu lassen ist der Inhalt dieses Moduls. Den Abschluss der Modulreihe bildet das dritte Modul des Aufbauseminars. Hier erlernen die Teilnehmer die Bedeutung und Ziele von Öffentlichkeitsarbeit. Auch der zielgerichtete Einsatz von Werbung sowie eine wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit sind Themen dieses Moduls.

Fazit aus dem ersten Basisseminar 2014

Alle Teilnehmer haben sich dafür ausgesprochen, dass die Seminarreihe um einen Tag verlängert wird. Damit kann dem wichtigen Praxisaustausch mehr Raum gegeben werden.

Basismodul 1:
„Wissen im Umgang mit der Bipolaren Störung“









  • Wissen der Selbsthilfe
  • Definition, Häufigkeit, Ursachen der BS
  • Kennzeichen von Manie und Depression
  • Informationsquellen
  • Krankheitsbewältigung / Coping
  • Diagnostik und Therapie
  • Arzt-Patienten-Beziehung
  • Recovery, Frühwarnsystem, Notfallplan
  • Forderungen der DGBS zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit BS
  • Interessenvertretung in Politik und Medizin
  • Wissensmanagement
Basismodul 2:
„Selbstverständnis und Identität der DGBS“



  • Wurzeln
  • Ziele und Struktur
  • Aufgaben und Kommunikation
  • Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken in der Entwicklung der DGBS
  • Kooperationspartner
Basismodul 3:
„Gruppenarbeit und Selbstfürsorge“








  • Bedeutung der Gruppen
  • Grundbedingungen und Gestaltung der Gruppentreffen
  • Spannungsfelder und Herausforderungen der Gruppen
  • Aufgaben der Gruppenleitung
  • Beteiligung, Nachfolge und Übergabe
  • Erfahrungsaustausch
  • Rolle der Angehörigen
  • Abgrenzung und Selbstfürsorge
  • Qualitätskriterien für Selbsthilfegruppen
Aufbaumodul 1:                               
"Selbstkompetenz und                  
Kommunikation"



                                                             





                        
  • Kommunikation
  • Tratschen (Warm-up, Fremd- und Selbstbild)
  • Kommunikationsformen
  • Ambivalenzen – Inneres Team
  • Selbstbild – Selbstkonzept
  • Wahrnehmung(-stäuschung)
  • Wer bin ich? - Ich und meine Rolle in der DGBS
  • JOHARI – Fenster
  • 360° - Feedback
  • 4-Ebenen-Modell – Kommunikationsquadrat
  • Wie sag ich‘s – Ich-Botschaften – 3-Bitten-Feedback
Aufbaumodul 2:
„Konfliktkompetenz“












  • Persönlicher Umgang mit Konflikten
  • Rollenspiel: Ein Mitglied will die Gruppe verlassen
  • mit anschließender Analyse des Konflikts
  • Konfliktvermeidung, Konfliktoffenlegung,
    Chancen der Konfliktklärung
  • Konfliktnetz
  • Konfliktreaktionen – Quadrat
    (Orientierung an eigenen und fremden Zielen)
  • Konflikt-Thermometer
  • Konfliktgespräch – Positionen <-> Interessen
  • Killerphrasen und Umgang mit diesen
  • Konfliktgespräch mit Ebenenwechsel
  • Konfliktprävention, Konfliktlösung, Mediation
Aufbaumodul 3:
"Öffentlichkeitsarbeit"




  • Bedeutung & Ziele der Öffentlichkeitsarbeit
  • Widerstände
  • Zielgruppen und Instrumente
  • Mitgliedergewinnung
  • Standpunktrede
  • Interessenvertretung und Patientenbeteiligung


Das Lernziel jedes einzelnen Moduls liegt im konkreten Anwendungsbezug. Der Trainerstab wird sich aus den Mitgliedern der Projektgruppe, d.h. von Betroffenen und Angehörigen, rekrutieren. Nach einer train-the-trainer-Schulung wird ein Tandem aus jeweils 2 TrainerInnen ein Probeseminar durchführen und testen, wie Inhalte und Methoden ankommen. Der methodische Schwerpunkt liegt auf einem aktiv-entdeckenden, handlungsorientierten Lernen, das komplexe Probleme sichtbar und erfahrbar macht. Entsprechend den gängigen Methoden der Erwachsenenpädagogik knüpft das Qualifizierungskonzept am Vorwissen der TeilnehmerInnen an. Die Themen des Aufbauseminars werden sich um Teamkompetenz, Kommunikation, Konfliktkompetenz und Öffentlichkeitsarbeit drehen.

Was heißt Qualität aus Sicht der externen Prozessberatung?

Um einen umfassende Vorstellung von der Erstellung des Qualifizierungs-programmes zu bekommen, ist es abschließend sicher lohnend, einige Qualitätskriterien aus Sicht der externen Prozessberatung zu betrachten: Im Gegensatz zur Fachberatung konzentriert sich dieser Beratungsansatz vornehmlich auf die Prozesse; die Inhalte werden von der Projektgruppe geliefert. Das heißt, dass möglichst mit dem vielfältigen, bereits vorhandenen Wissen der Beteiligten gearbeitet und kein „fremdes“ Know-How verwendet oder gar übergestülpt wird (vgl. Schein 1995). Respekt vor den gewachsenen Strukturen des Vereins und Nutzung der vorhandenen Ressourcen sind weitere Prinzipien der Prozessberatung. Nach dem zugrundeliegenden Organisationsverständnis werden Vereine/Verbände als komplexe, soziale Systeme angesehen, die sich nicht gezielt, (d.h. wie Maschinen) steuern lassen, sondern höchst eigensinnig reagieren können. Dennoch gibt es in jedem Verein/Verband „Hebel“ oder empfindlichen „Druckstellen“, die man finden muss, will man den notwendigen Wandel ermöglichen. Veränderungen können greifen, wenn sie für das vorhandene System, d.h. für die DGBS passend und zumutbar sind. Entsprechend gilt es, das Qualifizierungskonzept in die verbandlichen Struktur einzubetten, ansonsten können es keine Hebelwirkung entfalten (vgl. Kühl 2006).

In der konkreten Zusammenarbeit mit der Projektgruppe fällt auf, dass einerseits mit viel Humor und Lust und andererseits mit großer Ernsthaftigkeit gearbeitet wird. Die Offenheit und Bereitschaft, sich mit neuen Standpunkten und Sichtweisen auseinanderzusetzen, das wachsende Vertrauen in einem neuen Team und das hohe Engagement für die Selbsthilfegruppen schaffen die Voraussetzungen für eine gelingende Zusammenarbeit und sehenswerte Ergebnisse.

Christine Kirchner und Eugen Biniasz-Schreen

Seminartermine des DBGS Lernort Selbsthilfe

Das Qualifizierungsprogramm ist für alle Interessierten gedacht, die in der Gruppenleitung schon tätig sind oder in absehbarer Zeit gerne tätig werden möchten.

  • Basisseminar 2016 geplant mit 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmern

    Montag, 17. Oktober 2016 bis Donnerstag, 20. Oktober 2016

Die Seminare können nicht als Bildungsurlaub anerkannt werden.

Möglich wurde dieses Projekt durch die freundliche Unterstützung des BKK Dachverbands.

Literaturverzeichnis:

  • Grunow, D.: Selbsthilfe. In: Hurrelmann et al. (Hg): Handbuch Gesundheits-wissenschaften, 1998

  • Kühl, S.: Die nur fast gelingende Schließung des Personalentwicklungszyklus, Working Paper 1/2006

  • Moeller, M.L.: Selbsthilfegruppen, 1996

  • Sachverständigenrat: Gutachten 2000/ 2001 des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen. Bd. I-III. 2001

  • Schein, E.: Wie können Organisationen schneller lernen? In: Organisations-entwicklung 1995

  • Trojan, A.: Wissen ist Macht. Eigenständig durch Selbsthilfe in Gruppen. 1986

Möglich wurde dieses Projekt durch die freundliche Unterstützung der BKK Krankenkasse.

Ansprechpartner:

Wenn Sie an einer Seminarteilnahme interessiert sind, schreiben Sie bitte eine E-Mail an info@dgbs.de

 

 

 

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