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Nenn ich dich Aufgang oder Untergang


Ach, ich wünschte,
meiner Hände Finger könnten an dich reichen.
Und doch sehe ich dich weichen
und spüre, wie ich nicht aushalte,
dass unser Raum entschlossen zerfließt.

Du zeigst mir deinen ausladenden Rücken,
und ich war stolz, ihn mit zu tragen,
wenn du dir zuviel warst, wie oft…

Wie sehe ich noch
aus meinen wunden Händen
mein Herze strömen.
Da gehe ich zu Boden, meine Hände,
meine Knie, mein Haupt, mein Schoß,
als erbäte ich Gottes Erbarmen,
die Grenze zu ziehen,
die ich zu ziehen nie gelernt und immer vergaß.
Ich war mir selbst zu groß,
und du warst mir nicht wert,
dich hinter einer Mauer wachsen zu sehen.

Stunden, Tage, Nächte…
Ich verharre und warte…
nunmehr auf nichts,
bevor der Engel kommt
und an mich rührt,
mich stört, mich reißt,
mich wendet in mein Leben.

Und ich verlasse mich ziehen,
wie an seidenen Fäden,
puppengleich,
bis ich strample,
steige, recke, reiße…
Und mein Auge,
mein Innen beginnt zu leuchten
wie ein glühend Sonnenrand am Horizont.

Ja, seit du gegangen, dunkel Wehn,
doch über den Hügeln der Tag.



© Friederike Schuppener
Der Titel ist dem Anfang eines Gedichts von Rilke entnommen

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