Herzlich willkommen,
User

Menu


Unsere Odyssee zur Genesung

Erinnerungen an Jahre psychischer Erkrankung


Auf der Grundlage engmaschiger Tagebuchaufzeichnungen von Kinko Tsuji und den Erinnerungen des betroffenen Professors wird in diesem Beitrag ein sehr persönlicher Einblick in einen längeren Genesungsweg mit zahlreichen Krankenhausaufenthalten gegeben. Für den psychiatrisch Tätigen wird deutlich, wie neben Ängsten und depressiven Erscheinungen sich auch immer wieder psychotisches Erleben und psychosomatische Symptome in den Vordergrund schieben. Auslöser der Erkrankung war ein erster kleiner Rückschlag in der wissenschaftlichen Karriere und der Versuch, dies durch Mehrarbeit zu kompensieren. So etwas nennt man heute Burnout. Deutlich wird aber auch, wie wenig psychiatrisch konstruierte Krankheitsbegriffe eine Prognose über den Krankheitsverlauf zulassen.

Es hat einige dunkle Jahre in meinem und unserem Leben gegeben. Während dieser Zeit habe ich meine eigene kleine Odyssee erlebt, allerdings nicht als gebietender Kapitän und Führer, sondern unter Anleitung vieler hilfreicher Geister. Wie und wann das alles wohl begonnen hat? Ich weiß es nicht so recht. Irgendwann im Jahre 2004 mehrten sich Indizien, die auf meine durch Unruhe verunsicherte und von unwillkommenen Bedenklichkeiten mehr und mehr geprägte psychische Verfassung hinwiesen.

Eines der auslösenden Ereignisse muss die unerwartete und mich äußerst belastende Entscheidung einer Gesellschaft für Forschungsförderung gewesen sein, zwei meiner wissenschaftlichen Projekte aus einem umfassenden Forschungsverbund abzuziehen. Der Effekt auf mein wissenschaftliches Selbstverständnis war verheerend, denn nie zuvor war mir eine derartig massive Absage erteilt worden.

Irgendwie haben sich zu beruflichen, finanziellen Bedenken dann weitere hinzugesellt, in manchmal durchaus abenteuerlicher Weise. Waren da doch die in meine Vergangenheit zurückreichenden Verhältnisse zu Frauen, die meist in eher harmloser Weise wieder auseinander gegangen waren. Jetzt schien mir dies plötzlich zu einer großen Belastung zu werden, da ich eine Menge Fotografien gehortet hatte, die all diese Beziehungen dokumentieren würden. Mir kam die Idee, dass die beteiligten Familien diese Fotos entdecken und daraufhin mit Regressansprüchen an mich herantreten würden, die mich finanziell in den Ruin treiben müssten. Mir wurde angst und bange. Um nicht in derartiger Weise an den Pranger gestellt zu werden, versuchte ich, einige der Foto-Dokumente zu vernichten. Von all diesen Bildern konnte ich mich aber nicht trennen, und so verschloss ich sie in einem Hängeregisterschrank, dessen Schlüssel ich an geeigneter Stelle versteckte.

Häufig wachte ich des Nachts auf und lief dann in der Wohnung ziellos hin und her, wusch mir dabei dauernd die Hände. Gekoppelt mit dieser Unruhe war eine deutliche Gewichtsabnahme, wie ich sie seit Jahrzehnten nicht erlebt hatte. Im beruflichen Alltag machte ich mir in dieser Zeit mehr und mehr sorgenvolle Gedanken über all die Termine, die ich nicht rechtzeitig wahrgenommen hatte bzw. würde wahrnehmen können. Ich war in Salzwedel zum Seminar, dann flog ich nach Erivan (Armenien) wegen einer Zusammenarbeit und fuhr noch nach Heidelberg zu einer Tagung. All dies innerhalb von zwei Wochen.

Letztendlich entschloss ich mich, einen Termin mit dem Professor der Psychiatrie an der Universitätsklinik wahrzunehmen, mit dem meine Frau in Eigeninitiative schon zuvor gesprochen hatte. Das war im Oktober 2004. Ich denke, dass dieser Zeitpunkt der Beginn der Zeit meiner Depressionen war. Aber meine Frau hatte schon lange etwas bemerkt. Im Jahr 1992 hatte ich eine große Konferenz organisiert. Damals hoffte sie, dass ich nach der Konferenz ein bisschen mehr Ruhe fände. Im Jahr 1997 bemerkte sie jedoch, dass ich seit der Konferenz nur mehr und mehr gearbeitet hatte, und zwar ohne Pause. Sie organisierte für mich ein Treffen mit einer Psychotherapeutin. Aber die Chemie zwischen uns beiden schien nicht so recht zu stimmen.

Bis 2004 versuchte Kinko ab und zu, mich von meinem Zustand als „Workaholic“ zurückzubringen, leider ohne Erfolg. Ich antwortete immer nur, „Ich muss arbeiten.“ Am 4. November waren Kinko und ich schließlich bei dem Professor. Er sagte, ich habe eine leichte Depression, und verschrieb ein Medikament und 2 Wochen Arbeitsunfähigkeit. Beim nächsten Termin bekam ich ein anderes Medikament, weil das erste mich unruhiger gemacht hatte. Die Arbeitsunfähigkeit wurde verlängert. Ich sagte eine geplante Chilereise ab, nahm Urlaub und kehrte nach Hause zurück. Dort begann ich mir immer häufiger vorzustellen, dass irgendwelche „Agenten“ in meiner Nähe sind, die mich ständig beobachten. Warten die auf mich? Sie würden sicherlich in Erfahrung bringen, wann ich meinen verschlossenen Aktenschrank öffnen würde, um kompromittierende Fotografien herauszusuchen und diese dann woanders zu verstecken oder sogar zu vernichten.

Dann geschah etwas. Eines Tages bei der Morgentoilette schien es im linken Ohr zu „rumpeln“, und mir schoss es durch den Kopf, dass ich wohl gerade einen Hörsturz erlebte. Ich war fest überzeugt, plötzlich links schlechter als rechts zu hören. Mit einem Q-tip holte ich Blutspuren aus dem Gehörgang, was mich in Panikstimmung versetzte. Wenige Tage später, am 9. Dezember wachte ich des Nachts mit einem ähnlichen „Gerumpel“ im rechten Ohr auf, verbunden mit erhöhtem Rauschpegel. Ich wurde hysterisch, lief mit wilder Entschlossenheit zum Telefon und rief den Notdienst an. Sie kamen sofort. Nach Messung von Blutdruck und Zucker wurde ich in den Ambulanzwagen gebeten. Bevor wir jedoch starteten, lief ich nochmal in mein Arbeitszimmer. Mir ging es darum, den Schlüssel zu dem Registerschrank, in dem sich all die Fotographien befanden, an einer sicheren Stelle zu verstecken. Als mir das gelungen war, fühlte ich mich beruhigter über den Transport, der mir nun bevorstand.

Dann ging es in Begleitung von Kinko los. Bald bemerkte ich, dass wir nicht zur Städtischen Klinik fuhren, wie ich erwartet hatte, sondern irgendwo anders entlang. Endlich wurde ich davon in Kenntnis gesetzt, wir führen zum Landeskrankenhaus, genauer gesagt zur Aufnahme in die Psychiatrie. Ich wusste nicht, dass Kinko den Rettungsleuten erzählt hatte, dass ich Depressionen hatte und dass ich mir einbildete, einen Schlaganfall erlitten zu haben. Das war um 2 Uhr morgens. Eine Schwester fuhr uns in die 3. Etage. Ein Pfleger für die Nachtschicht fertigte einige Dokumente an und bat uns, in einem Aufenthaltsraum zu warten. Das war ungefähr um 4 Uhr.

Kurz nach 8 Uhr kam eine Ärztin. Sie lächelte und begrüßte uns. Sie hörte freundlich zu, als ich meine Besorgnisse und Probleme erklärte. Und dann sagte sie: Wir sind hier, um Ihnen zu helfen. Das war wie eine himmlische Stimme. Endlich ist jemand da, um mir zu helfen. Nachdem ich mit der Ärztin gesprochen hatte, fuhr Kinko nach Hause, um noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Sofort begannen wieder meine Bedenken, sie würde zu Hause von einer Schar Reporter empfangen, die über mich und meine Vergehen in der Vergangenheit berichten wollten. Aber Kinko sagte, als sie mich wenige Stunden später wieder besuchte, dass nichts dergleichen geschehen war. Ich war sehr erleichtert.

In der folgenden Therapie taten mir die Gespräche mit der Ärztin gut, die eine Antenne dafür hatte, was mich bewegte. Auch die künstlerisch-gestalterisch orientierten Therapiesitzungen taten mir gut. Dort fühlte ich mich wie ich selbst und schaffte es, einige Bilder zu produzieren, die man sogar noch heute als kreativ und ansprechend bezeichnet.

Während der Weihnachtstage durfte ich zu Hause bleiben. Unsere Tochter kam aus Berlin zurück. Über den Verlauf des Weihnachtsfestes dieses Jahres ist mir allerdings nur wenig im Gedächtnis geblieben. Wie wir den Weihnachtsbaum aufgestellt und dann geschmückt haben, das weiß ich nicht mehr. Natürlich machte ich dabei durchaus mit. Aber es ging an mir irgendwie vorbei, es stellte sich keine weihnachtliche Vorfreude oder gar Begeisterung ein. Nach Weihnachten wurde ich aus der Klinik entlassen. Nach so langer Unterbrechung müsste ich unbedingt rasch wieder arbeiten, dachte ich. Entlassen wurde ich mit der Auflage, mich baldigst in dem Ort, wo ich arbeitete, in weitere ambulante psychiatrische Behandlung zu begeben.

Anfang Januar 2005 fuhr ich mit Kinko in meine Universitätsstadt zur Sprechstunde des Professors. Anders als ich erwartet hatte, entschied er, ich solle in der dortigen Klinik bleiben, da gründliche neurologische Untersuchungen durchgeführt werden müssten. Ich war geschockt: wieder ein Klinikaufenthalt, wieder ein Aufschub meiner Arbeit, und wieder und wieder…. Und noch schlimmer war, dass das Klinikgebäude in der Nähe eines Hörsaals lag, in dem ich noch vor kurzem Medizinstudenten einige Kapitel Optik beizubringen versucht hatte. Die meiste Zeit verbrachte ich dort auf dem Bett und grübelte.

Nach vielen Untersuchungen, im Speziellen wiederholten EEGs, der Lumbal-Punktion an der Wirbelsäule, Intelligenz-Tests, und MRT, befand man, dass mein mentaler Zustand nun wieder recht stabil sei und entließ mich Ende Januar. Dabei bekam ich einen kleinen Koffer voller Medikamente mit auf dem Weg, die für die kommenden paar Tage ausreichen sollten. Am nächsten Tag wollte ich wieder arbeiten.

Schon in der ersten Nacht in meinem dortigen Apartment wachte ich auf und fühlte mich von rasendem Herzklopfen attackiert. Ich glaubte, das wäre ein Vorzeichen eines Infarkts aufgrund der Stresssituation in den vergangenen Tagen. Am dann folgenden Freitag nahm ich voller Unruhe an einer langen Sitzung einer Berufungskommission teil. Am gleichen Tag spät abends beschloss ich, in die Klinik zu fahren, um mir weitere Medikamente verschreiben zu lassen. Als ich dort vor der Eingangstür „meiner“ Station stand, überkam mich das Verlangen, mich einfach zurückzumelden und um erneute Aufnahme zu bitten. Aber das fiel mir doch sehr schwer, so dass ich fast 3 Stunden bis nach Mitternacht vor dem Eingang verbrachte, bevor ich es wagte, den Klingelknopf zu betätigen.

Nun war ich also unvermittelt an den „Tatort“ zurückgekehrt, und zwar freiwillig. Aber dieser zweite Aufenthalt in der Uni-Klinik war keine gute Idee. Ich zweifelte und zweifelte: alle sind Spione, jemand hat meine Kreditkartennummern gelesen, die Stationsärztin ist ein Teufel und sie macht mit meinem Körper Experimente, alle Medikamente, die ich einnehmen sollte, sind für Experimente gedacht, Skandale über mich werden in Zeitungen und im Fernsehen erscheinen, und so weiter. Gegen Ende Februar empfahl der Chefarzt wiederum weitere Behandlung in der Nähe meines Wohnorts. Das was ein klares Zeichen, dass der Professor mich nicht mehr behandeln wollte. Ohne Überweisung und ohne Medikamente wurde ich entlassen. Kinko musste nochmals in die Station zurückkehren, um einige Rezepte für die nächsten Tage verschreiben zu lassen.

Bei meiner Rückkehr in unser Haus war ich gar nicht in Ordnung. Was ich durchs Fenster erblickte, war alles unverständlich. Einmal nahm Kinko mich mit, um das „schiefe Haus“ aus der Nähe anzugucken. Kinko wollte mir zeigen, dass an dem Haus alles in Ordnung sei. Dort, direkt vor dem Haus, sahen die Fenster-Winkel anders aus als von unserem Fenster aus betrachtet. Aber ich ließ mich davon nicht wirklich überzeugen.

Ich machte mir zunehmend Gedanken darüber, wie es unserer Tochter ergehen mochte, die mit einer Freundin zu einer mir recht abenteuerlich erscheinenden Reise nach Thailand und Vietnam aufgebrochen war. Um mich sozusagen auf ihre Wellenlänge einzustellen, inspizierte ich einmal ihr Zimmer und entdeckte darin so viele rote Herzen, wie ich sie früher nie bemerkt hatte: alte Geburtstagsgeschenke, Kissen, Kerzen, Glasaufkleber usw. Ich fragte mich, ob das nicht symbolische Bedeutung hätte.

An einem anderen Abend vernahm ich plötzlich ein leises „tock, tock, tock“. Das muss von den Kidnappern kommen, die meine Tochter gefangen halten! Das Signal wird also direkt hierher übertragen. Vermutlich befindet sich eine Empfangsstation unmittelbar in unserem Haus. Also steige ich auf den Dachboden, aber da ist nichts und niemand und auch keine Empfangsstation. Ich notiere lediglich die Zeit, die auf einer stehengebliebenen Uhr angezeigt wird: 23:19 Uhr. Was auch immer könnte das bedeuten? Zurück im Wohnzimmer beginne ich halblaut und verzweifelt zu den Kidnappern zu sprechen: Was wollt ihr denn? Was kann ich tun? Keine Antwort. Dann, pünktlich um 23:19 Uhr, bin ich ganz durcheinander und voller Angst. Das Signal erklingt drohend noch einmal. Aber sonst passiert gar nichts.

Einmal wollte ich abends nicht essen und keine Medikamente einnehmen. Ich ging nur im Wohnzimmer hin und her. Es war genau wie im vergangenen Dezember. Kinko war alarmiert und rief die ehemalige Chefsekretärin an unserem Forschungsinstitut an. Früher hatte ich sie oft angerufen, wenn ich Probleme hatte. Sie versprach, dass sie früh am nächsten Tag zu uns kommen und uns helfen würde.

Es war ein Freitag, der 4. März. Kinko und die Sekretärin brachten mich wieder in das Landeskrankenhaus. Dort folgten vier Wochen relativer Ruhe und Stabilität, wenigstens soweit es den Ablauf des Stationsalltags betraf. Ich hielt recht brav den jeweiligen Tagesplan ein, der auf der Station ausgerufen wurde. Dazu gehörte die Teilnahme an diversen Therapiestunden im Gruppenrahmen, als da wären Bewegungs-, Ergo- und Tanztherapie, Entspannung und eine Theatergruppe. Auch gab es fast tägliche Gespräche mit der einfühlsamen, ermutigenden und kompetenten Stationsärztin, zu der ich ein freundliches und konstruktives Verhältnis aufbaute. Sie ging auf meine Gesprächswünsche ein und hatte wohl schon früh im Blick, dass ich graduell wieder in das „normale“ Leben außerhalb der Klinik integriert werden könnte. Kinko war überrascht und freute sich sehr, als ich auf einmal recht laut und plötzlich lachte. Ich erzählte von einem alten Mann, der beim Frühstück vor versammelter Tisch-Mannschaft einen Marmeladen-Löffel abgeleckt und mit einem zustimmenden „Gut!“ wieder in das Glas zurückgesteckt hatte.

Das Osterfest verbrachte ich zu Hause. Unsere Tochter kam von ihrer Südost-Asien Reise heil und unversehrt zurück. Ich fuhr wieder selber Auto, um unseren kranken Wellensittich zum Tierarzt zu bringen. Wir gingen gemeinsam einkaufen. Am Sonntag wurden Ostereier in der Wohnung gesucht. Sogar ein Osterspaziergang wurde unternommen. Ich interessierte mich wieder für die Außenwelt. Ich las Bücher, sah fern, genoss den Film „Krieg und Frieden“ und hörte intensiv zu, als unsere Tochter von ihrer abenteuerlichen Reise erzählte und viele interessante Bilder zeigte. Jedoch hatte ich immer noch Angst vor vielen Dingen.

Nach Ostern kehrte ich in die Klinik zurück und wurde am gleichen Tag aus der stationären Behandlung entlassen. Ich musste von nun an jeden Tag zur Klinik fahren und alle Therapien mitmachen, das galt als eine Art „Tagesklinik“. Dieses Programm gefiel mir. Trotzdem war ich am ersten Wochenende ziemlich kaputt. Die meiste Zeit an den Wochenenden schlief ich.

Auf jeden Fall wollte ich wieder arbeiten. Deshalb fuhr ich zur Probe mit dem Zug für einen Tag in meine Wohnung in der Universitätsstadt. Zwar war ich danach für einige Tage erschlagen, empfand diesen Besuch aber als große Hilfe, an meine Arbeitssituation anknüpfen zu können. Nach ungefähr einem Monat endete die „Tagesklinik“. Ich sollte nur noch einmal pro Woche zur Ärztin kommen. Nun fuhr ich jede Woche in die Universitätsstadt und versuchte zu arbeiten. Ende Mai traf ich in Berlin eine Gruppe ehemaliger Musiker Musikerfreunde aus Göttingen. Mitte Juni waren Kinko und ich zu einem Hauskonzert eingeladen. Dort begegneten wir einigen interessanten Persönlichkeiten. Wir blieben bis spät. Wir tanzten sogar. Das war der damalige Höhepunkt.

Noch ein weiteres Jahr, bis in die Mitte 2006 hinein, folgten gute und schlechte Zeiten und damit unmittelbar verknüpft mehrere Aufenthalte in verschiedenen Kliniken, sowohl im Süden als auch im Norden des Landes. Die Odyssee war also noch lange nicht zu Ende. Schließlich ging es steil bergauf mit mir, so dass ich endgültig nach Ithaka zurückkehren konnte. Nein, es war wohl unser Haus in dieser großen Stadt im Westen, wo meine Penelope auf mich wartete, ohne von Freiern belagert zu sein. Sie hatte den Glauben an mich nie verloren, auch wenn ich den gefahrvollen Gesängen der Sirenen ausgesetzt war.

In den folgenden Jahren gewöhnte ich mich schrittweise wieder an meine Arbeit. Eine Wiederberufung in meinen früheren Arbeitsbereich war allerdings mit erheblichen Verzögerungen verbunden. Beim Gesundheitsamt, wohin mich der Rektor meiner Universität schicken musste, fand man mein Anliegen nämlich recht ungewöhnlich. Man kennt sich dort zwar mit Personen aus, die früher in Rente gehen wollen, jedoch nicht mit Professoren, die es anders herum möchten. Nun, letztendlich wurde ich wiederberufen.

Dr. Kinko Tsuji ist Direktorin des Japan Business Councils in Europa, Physikerin in Forschung und Anwendung; Shimadzu Europa GmbH in Duisburg

Prof. Dr. rer. nat. habil. Stefan C. Müller ist Physiker an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Institut für Physik.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Kerbe (Forum für soziale Psychiatrie). Die Wiedergabe hier erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber.

 
 
Cookies ermöglichen Ihnen die bestmögliche Nutzung dieser Website. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, erklären Sie sich mit unseren Datenschutzrichtlininen einverstanden.. Bestätigung mit »OK« schließt diesen Hinweis. mehr Infos / Datenschutzerklärung