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DGBS Angehörigenseminar April 2016 in Frankfurt/M

Bericht einer Teilnehmerin (2)

Was tun, wenn man sich als Frau mit kleinem Kind in einen Mann verliebt, der nach sechs Wochen des Kennenlernens erzählt, dass er an Depressionen leidet und nach weiterem Nachfragen der Begriff Bipolare Störung fällt? Kurz darauf folgten sieben Monate Krankschreibung, Klinik, Reha etc. Zunächst kam große Unsicherheit und Angst auf, jedoch durch damals und bisher erfolgreiche Bagatellisierung meinerseits ließ ich mich zu dieser Zeit nicht in die Flucht schlagen, sondern entschied mich nach einiger Zeit des inneren Ringens für einen gemeinsamen Weg mit diesem Mann als Partner. In den inzwischen drei Jahren unseres Zusammenseins haben wir schon weitere sehr belastende Phasen durchlebt.

Erst durch dieses gerade erlebte Seminar ist mir jedoch das Ausmaß bzw. die verschiedenen Auswirkungen und Facetten der Krankheit bewusst geworden. Ich habe erst jetzt richtig verstanden, was diese Krankheit überhaupt ist und was es bedeutet, wie man die verschiedenen Phasen erkennen und auf sie reagieren kann, wie man mit dem Betroffenen umgeht und vieles mehr.

Die beiden Referenten, Herr Dr. Sven Zipperich (Stationsarzt der Schwerpunktstation für Bipolare Störungen) und Frau Dr. Julia Volkert (leitende Psychologische Psychotherapeutin der psychiatrischen Ambulanz) haben sehr verständlich und einfühlsam die medizinischen und psychotherapeutischen Aspekte dargestellt und erläutert, sind auf individuelle Fragen eingegangen und haben die Vorträge sehr sympathisch und gleichzeitig höchst professionell gehalten. Auch die Moderation von Frau Wagenblast war sehr gut, das Seminar alles in allem sehr gut vorbereitet und professionell durchgeführt.

Besonders gut tat es, sich mit anderen als Angehörige Betroffenen auszutauschen. Ich empfand dies als unheimliche Erleichterung zu sehen, dass ich nicht alleine bin mit dem „Problem“, dass es so viele verschiedene Ausprägungen der Krankheit gibt, viele, bei denen der Verlauf zum Beispiel noch dramatischer ist, aber auch viele, bei denen es wie bei mir wohl „mittelschlimm“ ist und es längere „gute Phasen“ geben kann. Es mischten sich Personen mit unterschiedlichsten Beziehungen zu den Betroffenen, Partner, Eltern, Kinder und Geschwister. Frauen, die schon seit 30 Jahren mit einem betroffenen Partner ein Zusammenleben geschafft haben, machen auch mir Mut, dass ein Leben, wenn auch manchmal etwas schwieriger, mit einem an Bipolarer Störung erkrankten Menschen möglich ist. Auch Personen, in deren Familie noch gar keine offizielle Diagnose zu dieser Krankheit vorliegt, waren dort. Und die größte Erkenntnis aus dem Seminar: Man kann sehr viel dagegen tun und es gibt viele hilfreiche Anlaufstellen!

Ich kann nur jedem empfehlen, das Seminar zu besuchen. Erst jetzt habe auch ich eine wirkliche Akzeptanz für diese Krankheit gewonnen, zuvor war irgendwie alles vage und ich konnte nicht sehr viel damit anfangen, bin eben so gut es ging damit umgegangen. Nun werden mir die wertvollen Tipps und das umfangreichere Wissen und Verständnis darüber den Alltag mit dem Betroffenen erleichtern.

Der Unterschied zwischen Betroffenen und mir als Angehöriger ist jedoch ein ganz wesentlicher: Ich kann mich jederzeit in irgendeiner Form entziehen, wenn ich Zeit zum Kraft tanken brauche. Der Betroffene der Krankheit jedoch nicht. Daher empfinde ich seit dem Seminar allergrößten Respekt den Menschen und meinem Partner gegenüber, die sich trotz und mit dieser Krankheit im wahrsten Sinne des Wortes durchs Leben schlagen und mit allergrößter Anstrengung irgendwie, mal besser, mal schlechter, und manchmal auch gar nicht, den Alltag und ihr Leben meistern. Ich bin sehr froh, auf dem Seminar gewesen zu sein und werde sicher wieder kommen. Danke DGBS!

N.N. (Der Name der Verfasserin ist der DGBS bekannt)

 
 
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