Kontrast

Gedichte von Anke Ames

Über meine Lyrik

Ein psycho-ernergetischer Prozess, unvorhersehbar, unmittelbar mit meiner Musik verknüpft, mit Reisen, mit Frei- und Leer-Räumen verbunden. Das Kreisen um die Liebe. Die zu Menschen, zu Klängen, zu Ideen. Wort-Leben. Eine literarische Plastik. Durchsagen gleich, verweigert sich meine Lyrik der Korrektur und Nachbearbeitung. Pfeil und Bogen, Metaphern aus gelben Welten, Grenzgänge zwischen Alltag und existentieller Zeitempfindung, umkreisen sie die Erfahrung von Staunen, Schmerz und Entzücken. „ Du schreibst das Blaue vom Himmel herunter...“ Reinhard Django Kroll, Bassist

Über mich

Ich bin Musikerin, Grafikerin, Lyrikerin, Musikpädagogin. Mutter, Oma, Ehefrau.
Ich erkrankte 1988 an einer Bipolaren Störung. Viele Manien und Depressionen. Der Durchbruch kam 2006 mit der Verabreichung von Lithium. Seitdem lange, stabile Perioden und die Möglichkeit, qualitativ hochwertig künstlerisch zu arbeiten. Seit 2004 verschiedene Lyrikpreise, teils im internationalen Wettbewerb, und Veröffentlichungen. Seit 1991 buddhistische Ausübung, die ich für meine Lebensqualität und Leistungsfähigkeit verantwortlich mache und für meine innere Freiheit von Krankheit und Leiden. In meiner Kunst geht es mir darum, das Material, das in verrückten Zeiten Thema ist, einer Verständlichkeit, Schönheit, Klarheit trotz Mehrdeutigkeit zuzuführen. Essentielle Kommunikation. So schöpfe ich mittlerweile aus einem Gefühl der Freude heraus, das ich weitergeben möchte, und das im Sinne des „Empowerments“ ermutigen soll.

Anke Ames, 18. Mai 2015

im verborgenen Haar der winde flocht
kuss. deutsch
Ohne Titel
Bloß
Salomos Gärten
Für Dich
Schere, Stein, Papier
Für Christine Evers
Jerusalem


 



im verborgenen haar der winde flocht

im verborgenen haar der winde flocht
ich dir ein gebet in das grüne
wasser. die uralte
göttin des feuers flüstert flammenreime.
sing das lied des über
lebens.
zähle den herzschlag der
sonne, das atmen des raumes.
zähle die zähne, die dir verbleiben.
perlenschnüre schmücken meinen kuss

des uhus  schrei dringt
in das mark der bäume, ein
gebet für das grüne
wasser.

indigo ergoss sich in meinen
schoss. tiefer blau als
blau der blick der lakshmi
ich kaute erde und schmetterlinge
tanzten im bauch.
wiedersehen, wiederleben, jubeltage.

uhu, gekröpfter, dein
klang klirrt im polierten
spiegelwasser, wasserquelle, quellenglanz.
dein sound durchströmt goldene
energie, ein
gebet für die wasser
grüne.

© Anke Ames 2003


 

kuss

wald, sonne,
wald, die wälder, in den…

es ist die malerei, ozeanisch,
ocker, der ozean,
Mond grüner Mond,
das sind die wälder
und ich

ich: liebe dich,
hauch deiner hand, luft
der wälder, das
sind die
malereien, ocker der
Erde, unmögliche Erde
rote Erde
hier,
du,

du: ich liebe dich
ich werde dich brauchen
der kuss -
öffnet die zeit
himmel hölle honig
gemälde in ocker, in den

kuss
wald, sonne,
wald, die wälder,in den…

© Anke Ames 2010


 

Ohne Titel

Es wuchsen mir Flügel, deiner
Hände Werk. Es
wuchs der Klang, deiner
Hände Werk. Es
 schwemmte auf,
nebelte Glanzfunken,
wusch Farben,
schichtete Holz. Zunderloh. Kein
Wasser half nicht
Nichts. Touched.

© Anke Ames 2010


 

Bloß

Bloß, entkleidet der Nackten,
der Gegenwart.
Entkleidet.
Ein Haus,
ein Haus aus Brot, entkleidet,
entkleidet der Erde. Bloß.
Das Nackte,
Weizen, Öl, atmender
Wald,
Farben, Öle. Das Terpentin. Die Harze.
Ich empfing ein Kind,
Kind aus Holz, es spielt
Im Aschekasten, schmiedet den Schmuck,
den Brautschmuck,
im
Aschekasten. spielt. und versenkt:
unseren Weizen, den
Einen, einzig einen.
entkleidet der Erde. Bloß.

(und donnerten Elefantenherden in alle vier Himmelsrichtungen)

© Anke Ames 2011


 

Salomos Gärten

Salomos Gärten,
Zedern Halluzinationen gleich, färbt
färbt die Fußsohlen. Färbt
meine Haut.
Angeschwärzt, ich
mich selbst. Das Selbst
sprach in einen Mund
hinein, sprach in die Zone hinein,
rennend, atmend,
sprach hinein in die
Giftspur. Final. Wo
aber bleibst du und
ich: berührt, besoffen
von Teer?

© Anke Ames 2013


 

Für Dich

Im Wald leuchtet
der Regen, silberne Spur.
Transparent bleibt
die Haut der Bäume.
Auf deiner Zunge
Rinde, Talisiens Rätsel
um das Sein der Dinge.
Die Haut der Bäume
bringen wir zum Erklingen,
an einem Ort
nahe dem Herzen.

Wir treten ein, treten
ein in den Palast
aus Schweigen und Glas.
Wir werden nahe sein
dem Sein,
und heraus treten aus dem,
was uns demütigt,
treten ein in den Palast.
Das Rätsel wird sein
ein offenes Geheimnis,
geflüstert vielsprachig.

In die Musik gewobenes
Versprechen:
den Ur-Grund nicht zu verraten,
die Wahrheit nicht zu verraten.
Bricht auf die Sonne.
Transparent bleibt die
Haut der Bäume.
Dein Haar schwingt.
Nahe meinem Herzen.

Nahe meinem Herzen
wohnt der Kuckuck,
sein Ruf aus Sand und
Zweigen. Aus Sand und
Zweigen wird der Tag
sein, an dem ich dich
sehe, an dem ich eintrete
in den Palast....

In die Musik gewobenes
Versprechen:
den Wald nicht zu verraten,
Wohnsitz des Kauzes,
des Waldkäuzchens,
der Kuckucks.
Wohnsitz des Eros.
Im durchsichtigen Wald
trägt der Specht
unser Versprechen
in die Krone der Bäume.

Mein Bogen schwingt.
Nahe deinem Herzen.

Nahe unserem Herzen
schwingt der transparentene
Wald,
schwingt die Haut und vibrieren
die Knochen.
Die Angst und die Lust
sind aus Schnee und
Schweigen.
Wohnsitz des Eros.
Treten wir ein in den
Palast....

© Anke Ames 2014


 

Schere, Stein, Papier

Über die Nacht
werden wir schweigen.
Wir preisen den Silbermund,
der eine Geschichte erzählt,
über den und den Tod, die
Auferstehung einer Begierde,
nackt wie das Feuer.
Ich vergaß zu essen,
über Monate hinweg der Hunger
nach Dir. Würde ich nicht sagen
abgemagert, das Essen hat Augen
und Fallen.

Über die Nacht
werden wir schweigen.
Wir preisen unser Kind,
das nicht geboren werden kann
und im Schatten spielt. Es
versenkt Schiffe, unsere Nacht
trägt den Hut aus Papier.
Papierkrone. Puppenlieder.

Über die Nacht
werden wir schweigen.
Unsere bricht niemals an.
Was bleibt als Einsamkeit.
Die Anthurie öffnet sich,
duftet in den Wind hinein,
trägt ihr Kleid. Seidenes Rot.
Alles, das zerstört wurde, ist
unser eigenes Werk.

Schere, Stein, Papier II 

Über die Nacht
werden wir schweigen.
Wir verspeisen die Grauschleier,
von denen die Hunde berichten, die
ihre Wege durch Sumpf und Schnee
behindern. Der Menhir klingt
in der Weite einer Landschaft
ohne Ausweg. Den Schlüssel,
den Schlüssel zu mir werfe ich
ins Moor.
Alles, das zerstört wurde ist
unser eigenes Werk.

Schere, Stein, Papier III 

Schnee und Feuer.
Eine Luft, die heilt.
Alles, das zerstört wurde, ist
unser eigenes Werk.

© Anke Ames 2014


 

Für Christine Evers

Das wilde Wasser gibt mir
die Träume, die Steine
wandern. Bricht auf
die Sonne. In des
Murmeltiers Bau schläfst
du, schläfst in mir, und
du bist schön und
schöner. Bricht auf
die Sonne.
Bricht auf dein Gesang,
Tauben, Flirt der Nachtigall.
Der Ozean schwingt.
Sing Hallelujah!

© Anke Ames 2014/2015
 


 

Jerusalem
Für Moo Lokhenn

Jerusalem,
stumme Straße, gebrannter
Schmuck, Teer.
Aufgebrochen, ausgebrochen
aus Staub und Perlen.
Straße nach Jerusalem,
Stadt der Gebete und
Klagen,
der Waffen,
getöteter Bruder.
Fata Morgana,
Verheißung der Wüste
und ihrem Schwur.
Stumme Straße.

Jerusalem,
entlang des Weges
Ruf der Aasgeier
und Wiegenlieder.

Hör mal,
Mama singt
Wind und Donner zur
Mahlzeit. Mahlzeit
wie Schnee, unbekanntes Ereignis.
Mahlzeit wie Milch,
von deinem Körper genommen.
Mahlzeit wie Brot,
Schimmelkorn,
Kimme und Schrot.
Mahlzeit wie Ton, wir
formen Lakshmi, die Glückbringende.
Aufstand der Ameisen und die
Bienenkönigin schläft.
Versunken im Met,
in die Butter gebettet,
in das Radieschenbeet.
Hör mal,
Mama singt.
Singt eine Mahlzeit
aus Küssen und Rot,
singt Wärme und Wasser,
singt Wein und Wacholder.
Im Wacholder wohnt der Kuckuck,
Braut der Wälder,
Wiegenlieder und Aasgeier
singt Mama.
Wälder, unbekanntes
Ereignis.

Die Straße nach
Jerusalem
schmilzt in der Sonne,
tanzt bergauf, bergab.
Und Mama ruft,
versammelt die
Toten, die Aasgeier.
Mahlzeit aus Knochen,
die erblühen,
wenn Mama singt.
Gemälde aus Schlicker,
Senfsamen
und Süße,
getrocknete Trauben
und Lippen, die der
Ruf röter färbt.
Mama atmet.

In Jerusalem
vibriert der Sand,
wird Glas,
wird zu Palästen aus
Klang,
wird zu Vögeln,
die im Wacholder weben.
Die Mahlzeit singt
Mama.
Den Sandsturm und das
Panzerglas der
Gefangenen,
der in den Sirenen Gefangenen,
der vom Krieg Gefangenen.
Und Mama
lässt die Vögel fliegen,
im Laut ihrer Stimme.
Wir schicken Drachen in den lautlosen
Himmel,
Amrita singt die Frau,
Speise der Götter.
Und die Straße
nach Jerusalem
biegt sich in der
Sonne.
Stumme Straße.

Mama bleibt jungfräulich,
singt die Mahlzeit,
singt die Straße.

Die Straße nach
Jerusalem.
Keiner folgt.
Im Luftschloss schaukelt das
Haar im Wind.
Kein Exil.
Kein Ausweg.
Die Straße nach
Jerusalem ist
umzingelt.
Bleibt der Gesang.
Die Lieder von
nirgendwo,
irgendwo,
umzingelt von der Erde
und nicht von ihr.
Eine Reise.
Stumme Straße.
Gebrannter Schmuck,
Teer.

© Anke Ames 2015
 

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