Kontrast

Weitere Gedichte bipolarer Autorinnen und Autoren

Das Copyright liegt jeweils bei der Autorin bzw. dem Autoren.

Immer
Je tiefer du fällst, desto höher fliegst du
Zwischen den Phasen Haftigkeit
Wer ist sie?
Sie glauben
Frühjahr
Gib mir Gelassenheit!
Meine Kinder
Engel
Vielleicht
Ich denke …
Der Riss im Leben
Dolchmantel
Leben auf der Achterbahn
So ist sie
Hab keine Angst
Manie oder wie ein Dornbusch brennt
Depression
Der Raps
Ohne Trost
Verlust der Mitte
Wunschloses Hoffen
Verwelkende Rosen
Anders
Depression
Krähen
Eiszapfen
Der Fall
Niemandsland


Immer

manchmal

brauch ich einen Engel
manchmal
brauche ich nur Dich -
nicht nur manchmal
sondern  i m m e r
immer wieder
brauch ich  m i c h !

Kerstin Kronar
Oktober 2008


Je tiefer du fällst, desto höher fliegst du

Meine Tage bestehen nur noch aus diesen beiden Extremen
Bin manchmal so glücklich, dass ich schreien könnte
Leicht und voller Kraft
Strahlend
Fröhlich
Ein Teil der wundervollen, bunten, brutalen, übermütigen, lauten Welt
Und danach so traurig dass ich kaum noch atmen kann
Innerlich auseinanderfalle
Dahinschwinde
Keine Kraft mehr habe
Kaum noch für die kleinsten Bewegungen
Bin unbeständig
Ein Spielball des eigenen Körpers
Ich sehe die Schönheit der Welt
Aber was ist sie ohne die Sicherheit
Nicht zu fallen
Brauche jemanden
Der mich festhält
Mich vor mir selbst beschützt
Mir Sicherheit gibt
Mir zeigt,
Dass nicht alles vergänglich ist.
Bin einfach nur völlig am Ende
Es war schwer, so schwer
Aber hab's geschafft,
Irgendwie durchgebissen
Irgendwie ausgehalten
Voller Hoffnung
Trotz allem

AutorIn ist der DGBS bekannt.


Zwischen den Phasen Haftigkeit

Schier unerträglich
gehetzt
zeitlos
völlig
gelähmt
zeitgleich
gelähmt
gedankenlos
zeitgleich
gedankengequält
stets aktiv und
hyperaktiv
zeitgleich:
seelenzerfressend zutiefst quälend
INAKTIV
Depression
Du Schlimmste
schlimmer noch! -
ICH --- halte ...
Dich! AUS!
kann nicht mehr
nicht
mehr
mehr noch
dieser Hunger nach Leben
Ich kann Dich nicht erfüllen
Anspruch
nach mehr
und immer mehr
Verharren
Bin mir selbst so widerwärtig
ich ereile mich
schlimmstenfalls wache ich morgen
wieder
auf
nein
leben will ich
ja
ein kaum noch hörbares leises Flüstern in mir aus mir:
Leben, LIEBEN will ich

Ich eile, eile, halte
inne
spüre mich
und
mich
nicht
meistens spüre ich mich nicht
und bin mir ständig auf der Spur
ich bin auf der Welt
als Geist
inkarniert in diesen Körper
leben, erleben, Zeugnis geben
dieses, so, ist meine Bestimmung,
ich zweifele,
zweifele!!!
ver ZWEIFELE!!!

nicht mehr -
an meiner Lebensbestimmung, dass ich so
sein soll, gemeint bin,
leidend
wie ein Tier
eingesperrt in einem diesweltlichen Körper
ich hasse es so so so so so!!!!!
EXTREM!!!
Diese Pole, BiPole,
zutiefst menschlich, doch
nicht ausgelotet,

zuhöchst - zutiefst -

WO???!!!
Ist: Meine

MITTE?????

Martina Ulmer
23. Juli 2009


Wer ist sie?

Wer ist sie? Ich sah sie heute Morgen,
das Gesicht blass, die Augen ohne Ausdruck,
die Schultern hängend und irgendwie fehlte ihr die Kraft.

Sie lief ohne Ziel und doch suchte sie nach etwas...

Wer ist sie? Sie zog mich mit... in ihren Bann von Freude, Tatendrang,
die Augen leuchtend und das Lachen laut,
jeder drehte sich nach ihr um...
wie faszinierend und übermütig,
es war Nachmittag, als ich sie traf...

Wer aber ist sie nun, die so glücklich ist und doch so traurig,
leicht zu verletzen, aber doch bereit
verrückt zu sein und alles zu riskieren?

Wer versteht sie schon? Niemand kennt sie wirklich...
sie schafft alles, ganz allein...
und sie fällt, tief, immer und immer und immer wieder...
dann liegt sie am Boden, alles um sie herum in Scherben.

Wer ist sie? Ich sehe sie jeden Tag...
und immer ist sie anders...
ich sehe sie im Spiegel und sie fragt mich zurück:
wer bist du?

Die Autorin ist der DGBS bekannt.


Sie glauben

Sie glauben, Du seist einer von ihnen,
weil Du aussiehst wie sie,
dabei hast Du kein Gesicht!

Sie glauben, Du bist einer von ihnen,
weil Du Dich bewegst wie sie,
dabei bist du lahm und kannst nicht gehen!

Sie glauben, Du bist fröhlich,
weil Du lächelst, wie sie es tun;
dabei sehen sie nicht die Tränen in Deinen Augen!

Sie glauben, Du verstehst sie,
weil Du ihre Sprache sprichst,
aber sie sehen nicht, Dein Mund ist stumm!

Sie glauben, dass Du ihnen zuhörst,
weil Du Ohren hast, zu hören;
und doch hörst Du nicht, weil Du taub bist!

Sie glauben, Du bist glücklich,
weil Du von Allem hast und besitzt;
und doch verstehen sie nicht, dass Du arm bist!

Sie glauben, Du bist ok,
weil Du sagst es gehe Dir gut;
aber sie sehen nicht den Schmerz Deiner Seele!

Sie glauben, Du stehst mitten unter ihnen,
weil Du in einer Gemeinschaft lebst,
aber Du stehst abseits, und siehst durch sie hindurch.

Sie glauben, Du hörst ihre Lieder,
weil sie fröhlich sind und singen;
aber ihre Melodien bleiben Dir fremd.

Du glaubst, sie müssen Dich verstehen,
aber Du bist Dir bewusst, sie können es nicht,
denn Deine Welt ist nicht die ihre!

Du glaubst, sie müssten Freunde sein;
aber Freunde fragen nicht; sie hören zu;
Freunde sterben, Fremde lassen Dich in Ruh!

Du glaubst, Du müsstest leben,
weil es so für Dich gdacht;
doch wenn das Leben tot ist, bleibt es eine Last.

Teufen (Schweiz), 14. 11. 2010 12:18 h
 
AutorIn ist der DGBS bekannt.


Frühjahr

Ich sehe dich Frühjahr
Morgens der Blick auf den Obstbaum in Blüten
Ein Grün, das mich umgibt, das abfärbt
Ich rieche dich Frühjahr
Und halte den Atem an
Ein kleiner Moment der Stille
Ich höre dich Frühjahr
Mit geschlossenen Augen seh ich gekräuselte Wasser
Die meine Verkrustung auflösen.
Nichts bin ich als Lauschen und Rauschen
Einen Augenblick im Gleichklang mit dir
Schenk mir den Blütenfrühling Frühjahr
Den verträumten Anfang
Nach Zeiten des Stillstands
Schenk mir die Zuversicht Frühjahr
Dass es auch für mich Frucht und Ernte gibt
Dass ich mich meinem Leben hingebe
Trotz aller Stürme und Dürrezeiten
Dass ich wie andere meinen Platz finde
Im ewigen Werden und Vergehen des Lebens.

AutorIn ist der DGBS bekannt.


Gib mir Gelassenheit!

In wilder, sturmbewegter Zeit
schenk Ruhe und Gelassenheit.
Im tiefen Tal der Dunkelheit
bring Licht in meine Zeit.
Wenn bleiern Lasten niederdrücken,
dann stärke meinen Rücken.
Bin von Freunden ich verlassen,
lehre mich, mich nicht zu hassen.
Bring mir aufs Neue bei das Hoffen
und zeige mir den Himmel offen.
Beschütze mich vor Übermut,
denn nur dein Friede tut so gut.
Gerät mein Lebensschiff ins Wanken,
sei Steuermann auf meinen Planken.
Doch alle Wünsche werden klein,
der Eine bleibt: Dir nahe sein!
In guten wie in trüben Tagen,
darf ich zu Jesus „Bruder" sagen.

16. 03. 2011
AutorIn ist der DGBS bekannt.


Meine Kinder

Jeden Tag aufs Neue
rettet ihr mein Leben.
Ich glaube nicht,
dass ihr es wisst,
wie wertvoll ihr für mich seid.
Ich glaube nicht, dass ihr es wisst,
wie viel Glauben, Hoffnung
und Mut ihr schenkt.
Das macht euch zu den Menschen die ihr seid.
Unbefangen und fröhlich.
Tapfer und stark.
Liebevoll und vertrauenswürdig.
Zuversichtlich und treu.
Stolz und frei.

AutorIn ist der DGBS bekannt.
 


ENGEL

ICH BIN EIN SANFTER ENGEL,
DESSEN FLÜGEL AUF DER
RÜCKSEITE TIEFSCHWARZE
FEDERN HABEN. UND MIT JE
EINER MESSERSCHARFEN
KRALLE AUSSEN DRAN.
WER MEINEM FLÜGELSCHLAG
ZU NAHE KOMMT, DER TUT
SICH WEH.
­IST NICHT EINFACH, SO ZU
SEIN. NICHT ZU WISSEN,
WANN UND VOR ALLEM WIE
HEFTIG DIE FLÜGEL
AUSSCHLAGEN WERDEN...
KOMM HER ZU MIR UND BLEIBE
MIR DOCH FERN.
MEINE LEUCHTENDEN AUGEN
HABEN MANCHMAL EINEN
DUNKLEN GLANZ.

AutorIn ist der DGBS bekannt.


Vielleicht

wenn ich tot bin,
wird es mit einem mal hell
und ich erwache im Paradies
umgeben von Engeln
und allen verstorbenen Menschen,
die ich kenne.

Vielleicht aber auch
wird es dunkel um mich und ich schwebe und irre umher
in einem Nebel
und ich weiß nicht woher und wohin,
bis ich geführt werde
und begleitet auf meinem Weg.

Vielleicht aber auch
ist es mit einem Mal still
und ich weiß nichts und merke nichts
vom Leben und Tod
und liege gefühllos
und zerfalle zu Staub.

Vielleicht aber auch,
wenn ich tot bin,
erwache ich nur
aus einem bösen Traum
und sehe endlich klar,
dass dieses ganze Leben
nur ein Zerrbild war.

Harry Meyer
 


Ich denke …

Die Tage streichen dahin
Vergreifen sich lustlos an der Zeit
Die Sonne ist viel zu müde
Um sich noch ums Scheinen zu kümmern
Die Nächte werden immer länger
Sie finden hier keine Ruhe mehr
Von zu vielen schlechten Gedanken geplagt
Von grausamer Sehnsucht gejagt
Der Morgen erwacht zitternd
In den kalten, leblosen Armen des Tages
Erfüllt von Trauer und Schmerz
Ist er einsam - alleine auf dieser Welt
Es fängt an zu regnen
Zuerst nur leicht, dann immer stärker
Er schwemmt all das Schöne hinweg
Und die Welt steht nackt da und friert
Keine Vögel singen heute morgen
Sie sind beschäftigt damit zu trauern
Um die einsame, weinende Seele
Die dort unter vielen verlassen sitzt
Die Hoffnung hat längst aufgegeben
Schmerz den Krieg erneut entfacht
Liebe scheint nurmehr eine Erinnerung
Aus einem toten, kindgewünschten Traum
Tränen streichen sanft über die Wangen
Doch kein Mensch sieht meine innere Qual
Versunken in meine Gedanken, Gefühle
Denke ich ans sterben, manchmal...

AutorIn ist der DGBS bekannt.
 


Der Riss im Leben

Ich falle täglich aus dem Fenster der Realität
Wenn es sich wieder geschlossen hat
Kann ich nicht mehr beschreiben
Wie es war
Wohin ich fiel
Es ist als lebe ich in einem anderen Land
Zu einer anderen Zeit
In einem anderen Rhythmus
Ich gehe auf die Straße
und suche euch
die ihr meine Heimat kennt
doch ich sehe euch nicht
einsam gehe ich nach Hause
und versuche eine Andere zu sein.

Als Andere verkleide ich mich
Gedopt mit 300 mg Seroquel
10 g Cipralex
Seit Neuestem 1 Tropfen Natrium Muriaticum
Auf ein kleines Glas Wasser
Nur ein Schluck
Den Rest schütte ich weg
Mit 96 Kilo
Schleppe ich mich ins Fitnessstudio
Zukunftsoptimist steht an der Wand
Und gelbe Smileys hängen an durchsichtigen Fäden
Smileys kleben mit wilden Grimassen als Stempel in meinem Heft
Wenn ich es geschafft habe

Ich kann gar nicht sagen
wie ich euch verachte
Und gleichzeitig so beneide
Weil ihr den Riss nicht kennt
Weil der Boden euch sicher trägt
Ihr wisst nicht
Wie es ist
In einer anderen Welt
Aber wenigstens lebt ihr auf dieser
Mit Kindern und Hunden
Wie gerne würde ich zu euch gehören
Und doch denke ich
Dass ich nur glücklich werde
Wenn ich akzeptiere
Dass ich anders bin
Und die Welt
Die ihr nicht kennt
Zu meinem Kapital mache
Zu meinem Schatz
Wie Hermann Hesse
Wie so viele
Die schreiben
Damit sie nicht untergehen

Besser ein Alkoholiker der bereits 6-mal gestorben ist
Und immer noch im falschen Körper weilt
Als einer der den Schmerz nicht kennt
Ich will den Abgrund fühlen
Und im Himmel mit Gott schlafen
Und dafür wollt ihr mich einsperren
Mich normen
In ein gläsernes Quadrat
Ich habe das Spiel zu Genüge mitgespielt
Jetzt ist Schluss
Ich bin wie ich bin

AutorIn ist der DGBS bekannt.


Dolchmantel


Traurig marschiert die Trommel
durch das Tor.
Die Stadt liegt
unter Wolken voller Einsamkeit.
Der Strom küsst die Tränen vom Ufer
und die Wellen gleiten vorbei
im schwarzen Habit.

Im Hotel der Melancholie
weht über
einer zerbrochenen Mandoline
der Staub leise hinweg.
Weiße Tücher flattern sanft
aus den Türen
und blinde Fenster
blicken starr auf die Straße hinaus,
wo das regennasse Pflaster schwer wie Blei liegt.

Mein Herz macht einen Sprung
und flüstert unentwegt:
„Schätzchen ...mein Schätzchen:
bleib bei mir.“

luckylipps

 

 

 

 

 


Leben auf der Achterbahn

Wahnsinn im Kopf
schwer zu verstehn.
Mal ist alles bunt
1000 Ideen.
Alles geht schnell.
Farben sind intensiver zu sehn,
manchmal fast grell.
Alles gelingt.
Die Ausstrahlung stimmt.
Leben ist geil,
es geht nur noch bergauf.
Schlafen ist vertane Zeit.
Wie lange hält man das aus?
Dem Höhenflug folgt der Fall.
Dunkel wird die Welt.
Ich habe Angst.
Schwer zu verstehn.
Der Weg führt bergab.
Alles ohne Sinn.
Weiter leben - warum?

Gib niemals auf!
Auch Wahnsinn hat seinen Sinn.
Finde ihn und dann verlass die Achterbahn.

S. Birkner 2009
 


So ist sie

In der Erde mit den Händen wühlen
den Wind um die Nase brauchen
kleinste Samen zum Blühen bringen
mit Blumen malen
barfuß durch den Regen laufen
einen Sonnenaufgang still genießen
umarmen bis die Kraft versagt
küssen bis die Lippen brennen
lieben bis zum Morgengraun
mit gebrochenen Flügeln fliegen wollen -
aber die Füße einbetoniert am Boden
lachen bis die Tränen fließen,
bis der Bauch weh tut
weinen bis der Schmerz nachlässt
reden bis die Worte fehlen
schweigen bis man es nicht mehr aushält
jeden Tag mit den Farben des Regenbogens ausmalen
und die schwarz-grauen Facetten überdecken dabei
mit den Händen lieben
mit dem Herzen sehn
und manchmal nur die Seele baumeln lassen
sie versucht es und wird niemals müde dabei
das ist sie
ein chaotischer Lockenkopf mit Blödsinn für zwei im Hirn
warum kannst du sie nicht einfach nur lieben?

Clair


Hab keine Angst

Hab keine Angst,
es ist noch Zeit,
es blühet jüngst der Flieder
und der Jasmin
mit seinem Duft
steigt
nächtens über Mauern
und legt sich zärtlich nieder...

Hab keine Angst,
es ist noch Zeit -
n o c h
ist es nicht soweit.

Kerstin Kronar • 11. August 2008


Manie oder wie ein Dornbusch brennt

Ich fliege hoch zu den Sternen,
nur um zu sehen wer ihr Licht anknipst.

Ich surfe auf den Gezeiten der Welt
nur um zu schauen wohin es führt.

Ich liebe dieses Leben
um alles zu erleben

Ich bin einzigartig und
unvergleichbar. Nie kann
jemand meine Endlichkeit
erschauen.

Mir selbst will ich stets
genug sein und dadurch
überrage ich alles.

In meinem Glanz wächst
die Welt, blüht und
gedeiht

Ich bin einzigartig, denn
ich bin das Tetragamatron


Tristan T. Kolisch • 11. August 2008


Depression

Ich bin müde und allein
will im Vergessen nur ertrinken
denn das Leben verrinnt
wie feiner Sand
welcher trocken
durch meine Adern fließt

Ich führe diesen Kampf
jede Stunde doch auf neue
in meinem Körper aus Kristall
doch kein Licht mehr
lässt ihn schimmern
zerbrechlich in der Dunkelheit

Leer und alt
sitze ich auf meinen Schemel
die Splitter
meines zerschlagenen Lebens
unsanft und einzig
in meinen Schoss gelegt

Tristan T. Kolisch • 11. August 2008


Der Raps

Goldgelb zeigt der Raps sein Kleid,
und ich bin bereit,
einzuatmen den würzig-süßen Duft,
und erkenne: zwischen mir und der Natur gibt es keine Kluft!
Jede Rapspflanze betrachte ich mit leuchtenden Augen,
möcht' die Farbe in mich aufsaugen!
Kann mich einfach nicht satt sehen,
möchte den ganzen Tag das Rapsfeld begehen!
Geht die Blütezeit zu Ende,
bedeutet das auch in mir die Wende!
Wenn das Goldgelb dann fehlt,
wehmütig mir's ergeht!
Sehnsüchtig warte ich nun aufs nächste Jahr,
sehe dann das Gelb wieder ganz klar!


Angelika Schneider • 4. Mai 2007


Ohne Trost

Wenn kahle kalte Nebel
glücklos mich in ihre Trauernetze weben,
tausend tote Tränen Ton angeben,
fassen raue Burschen mich mit Seelenknebeln.

Aus tiefstem Ungewissen brechen brachial
die großen Brecher dicke Brocken,
schleudern harte Last nach meiner dünnen Haut,
schwemmen wellenwild Gewissheit an:

„Ja, so hast Du es verdient!“

Kein Entrinnen, kein Entkommen,
all das hast du mitbekommen,
immer wieder fast dich Mörderhand,
trachtet nach dem Lebensband.

Blut will sie von dir und Leben
Teil für Teil davon musst du ihr geben.

„Hast es besser nicht verdient!“

Dennoch aber kämpfen, schwitzen, mühen,
schaffen, hoffen, bangen,
nicht zuviel verlangen.
Auf dem Grab wird vielleicht was blühen.

AutorIn ist der DGBS bekannt.• 27.05.2006


Verlust der Mitte

Habe alles auf einmal parat,
bin ein funkelnder Diamant von 150 Karat
in meinen Adern fließt feurigrotglühende, brennende Energie
bin oberste Instanz, Autorität, ein Genie
fest mit dem Weltengetriebe verzahnt
weiß es nun, habe es immer geahnt
mein Auftrag die Welt zu verbessern,
sehet her, ich bin die Erlösung, habe die Weisheit in Fässern,
halte alles Wissen und Werden der Welt in den Armen....
doch was ist nur in mich gefahren, schon erlahmen
die Kräfte, schwinden die Säfte
aufgeblasen, Seifenblasen
außer Rand und Band
großer Flächenbrand
wie von Geisterhand
auf einmal ohne Verstand.
Sommer grenzenlos in Flammen steht
doch sein Glühen bald zur Neige geht
hohles Lachen
und plötzlich, böses Erwachen:

- Ich bin ohne Mitte -

traurig kalt und dunkelgrau
ist die Welt nun feindlich rau
der Herbst mir bringt Vergänglichkeit
Nebelschleier hauchen Endlichkeit
eisblumenumkränzt ruft stille Trauer
in wehleidig windigem Schauer
inmitten der kalten Nacht
angstvoll aufgewacht
Federbett und warme Flasche
im kalten Ofen bleibt nur Asche
erinnere mich nicht mehr
ein Eisberg im toten Meer
ohne Licht und ohne Trost
ein dunkler nie enden wollender Tunnel, erbost
sich Dunkelmänner auf mich stürzen
kann die Qualen nicht verkürzen
habe nur starre Lähmung, tauben Stillstand
und mein Los nicht in der Hand
falle in heimatlose Not
orientierungslos, mittellos
und blind sehe ich dem eignen Tod
in die Augen
Wozu soll ich noch taugen?
bin ein Nichts, ein Wicht
ein Niemand ohne Gesicht
Eisschollen wollen mich überrollen
haltlos, arm und flügellahm
erdenschwer, 
keine Sonne wärmt mich mehr,
bin Ballast
ein alter knorriger Ast
bin unter Wasser
in tiefem Tal
ein mich selber Hasser.

Ach hätte ich die Wahl
ich wäre lieber weniger genial:

- und in der Mitte

AutorIn ist der DGBS bekannt. • 16.04.2006


Wunschloses Hoffen

Heut’ Nacht war ich draußen im Feld.
Endlich Ruhe von allem.
Alleine mit mir, dem Mond und den Sternen.

Die Menschen schlafen.

Ich schau’ zu den Sternen;
da löst sich einer von ihnen am Himmelszelt,
stürzt nieder - vorbei an mir - in den Horizont;
ist entschwunden.
Ich schau’ ihnen zu, wie sie - kaum geboren - auch schon sterben.
Ich bleibe steh’n und schaue ihnen zu: Geburt und Tod, Tod und Geburt.
Tod….Geburt, ist beides eines.

War tot so lange Jahre, jetzt leb’ ich wieder neu.
Ich hoffe, nicht nur einen Schritt.

Ich gehe weiter Schritt für Schritt
und schaue nieder auf die Füße, wie sie die Erde küssen.
Will nicht mehr wünschen, nur noch tun.

Und oben tanzen Fünkchen Hoffnung.

G.G.W.


Verwelkende Rosen

Lass die Moleküle rasen
wie wir in den Sternen lasen
stehn die Zeiten heut auf Wahnsinn
und die Rosen welken in den Vasen
Lass die Moleküle rasen

Lass die Moleküle rasen
wie wir in den Sternen lasen
macht das Leben keinen rechten Sinn
ein paar Irre toben, die man hat vergessen zu vergasen
lass die Moleküle rasen

Lass die Moleküle rasen
wie wir in den Sternen lasen
lässt man uns heut wirklich frei
und die Rosen welken in den Vasen
lass die Moleküle rasen

Lass die Moleküle rasen
wie wir in den Sternen lasen
ist das Irren plötzlich menschlich
heilig halte die Ekstasen
lass die Moleküle rasen


Sabine zur Nieden • 12.11.2005


Anders

Wenn andere
sich brüsten,
sie brennen,
dann denk ich
oh die Armen
doch mir
wird klar
ich war
flammende Lohe
und werde
es wieder

Wenn andere klagen,
ihr Feuer
war erloschen,
dann denke ich
oh die Armen
doch sie glühten noch
ich war
erkaltete Asche
und werde es
wieder sein

Wenn ich klage
ich bin Asche
dann sagen die anderen
kenn ich
hat jeder
muss man durch

doch sie beklagen
stabile Glut
schnell entflammbar

Einige klagen
sie waren auch
Asche
ich fühle mit
doch ich weiß
ich werde es sein
wieder und wieder
Das Element ist gleich
doch ich
bin anders


AutorIn ist der DGBS bekannt.


Depression

Hab
Kein Lächeln mehr
Auf meinen Lippen

Hab
Kein Leuchten mehr
In meinen Augen

Hab
Kein Leichtes mehr
In Leib
Noch Seele

Wird doch
Wieder kommen
Bin gewiss


Monika Rieder Dolleschal • März 2002


Krähen

Im Morgengrauen
Wenn die Krähen reden
Und die Tauben gurren
Ein Amselrich liebeskrank
Im Unterholz zwitschert

T r a u m b e n o m m en
Den neuen Tag
Vor sich ausgebreitet
Öd und leer
Heraufziehn sehn

Einen Anfang suchen
Und dann gelingt es
Kaffee heiß und stark vorausgesetzt
Und hineingesprungen
In das helle Strahlengeflecht

Und Stunde um Stunde verfließt
Und erst in der Dämmerung
Fällt dir ein
Du hast die Depression bezwungen
Und diesen Tag
Gelebt!

Und Stunde um Stunde verfließt
Und erst in der Dämmerung
Fällt dir ein
Du hast die Depression bezwungen
Und diesen Tag
Gelebt!

Im Morgengrauen
Wenn die Krähen reden
Und die Tauben gurren
Ein Amselrich liebeskrank
Im Unterholz zwitschert

T r a u m b e n o m m en
Den neuen Tag
Vor sich ausgebreitet
Öd und leer
Heraufziehn sehn

Einen Anfang suchen
Und dann gelingt es
Kaffee heiß und stark vorausgesetzt
Und hineingesprungen
In das helle Strahlengeflecht

Und Stunde um Stunde verfließt
Und erst in der Dämmerung
Fällt dir ein
Du hast die Depression bezwungen
Und diesen Tag
Gelebt!

Monika Rieder Dolleschal


Eiszapfen

Eiszapfen
Von Nässe
und Kälte
getrieben

wächst du
wirst starr

bis

die Wärme
siegt

AutorIn ist der DGBS bekannt.


Der Fall

Tausendmal durchdacht.
Wie?
Letzte Zweifel.
Der Wille ist stark. Was kommt danach?
Es geht weiter dort.
Unabhängig von Raum und Zeit -
so habe ich es gehört.
Hell soll es sein -
Umgeben von Geborgenheit, Liebe und Leichtigkeit.
Ich glaube daran.
Ein Lichtblick hier in der Dunkelheit.
Von Anfang an schwer und kalt.
Zum Scheitern verurteilt, weil ungewollt und lästig gar.
Und das zu oft gehört. Am Ende steht:
Nach langer schwerer Krankheit -
ganz banal!
Und sie machen sich´s wieder ganz leicht.
Ein letztes Mal?
Nein!
Der Kampf geht weiter.
Für meinen Fall wäre es noch zu früh.

© S.B.


Niemandsland

Zwischen dem Wunsch zu sterben
und dem Willen zu leben liegt
das Niemandsland.

Dort hört niemand deinen Schritt
denn
es gibt nicht
Schritte
Worte
Jemand – Niemand.
Nicht einmal das Nichts
ist so groß
dass es diese Leere
ausfüllen könnte.

Alles grau
ungrau
so ohne Farbe
dass es nicht einmal
farblos ist.
Kein Ich.
Schon gar kein Du.

Aber auf der anderen Seite
da wo die sind
deren Leben Farbe hat
oft zu viele Farben
wie meins
sind die die Du sagen.

Jedes Du ein Faden
an deinem Herzen
der nicht zieht
nur ein Netz knüpft
einen Riss näht
eine Wunde zusammenhält.

All diese Dus eine Stimme
die zusammen mit deiner
unhörbar
dein Ich erhalten
dein Ich erschaffen
fast aus nichts.


© E. F.
(der Name der Autorin ist der DGBS bekannt)

 

News

29.08.2021Prometheus dis.order

Am 3. September feiert „Prometheus dis.order“ in der Düsseldorfer Tonhalle Premiere. Ihre Inszenierung für das BTHVN-Jubiläumsjahr widmen Nick & Clemens [… weiterlesen]
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