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Der Parasit

David ging in seinem kleinen, spärlich eingerichteten Wohnzimmer auf und ab. Die alten Dielen knarrten unter seinen Füßen, die Wände schienen immer enger zusammen zu rücken. Es war dunkel, die Luft war stickig. In seiner zittrigen Hand hielt David eine Zigarette, sein nervöser Blick richtete sich immer wieder auf den kleinen Gegenstand, der in der Mitte des runden Esstisches stand. Der volle Mond schien durch die Jalousien hindurch und zauberte ein Streifenmuster aus hell und dunkel auf die Oberfläche des Gegenstandes. Nachts wirkte er nicht nur beängstigender, sondern seltsamerweise auch schöner als im Licht des Tages. Und nach jedem Blick auf dieses unscheinbare und doch so machtvolle Etwas stellte sich von neuem eine ganz bestimmte Frage: Was zum Teufel ist das?

Diese Frage schien von diesem Gegenstand regelrecht ausgeschwitzt zu werden. Sie schien bis in die kleinsten Ecken des Raumes zu drängen und ihn mit einer schweren und unangenehmen Schwüle zu füllen. Schweißtropfen traten auf Davids Stirn, doch er bemerkte sie nicht. Ebenso wenig bemerkte er, wie das Herz in seiner Brust pochte, während er dieses... Ding betrachtete.

Er konnte fühlen, wie es seine Gedanken las. Wie es sie stahl. Und nicht nur das. Es versuchte, seine Gedanken nicht nur zu lesen, sondern auch zu beeinflussen. Es war wie ein unangenehmes Raunen in seinem Kopf, wie das Vorstadium schlimmer, pochender Kopfschmerzen. Dieses Ding versuchte auf ihm zu spielen, so wie man auf einem Instrument spielt. Ja, genau so fühlte es sich an. Er war ein Instrument.

Es war still im Zimmer, die meisten anderen Bewohner des kleinen Mietshauses schliefen zu dieser späten Stunde tief und fest. Irgendwo lief ein Fernseher, woanders wurde alle paar Minuten die Klospülung betätigt, und seine Nachbarin Viola hatte ihre High Heels noch nicht ausgezogen, die Wände waren dünn. Der Wind trug die Geräusche des Güterbahnhofs heran, und im Garten heulte eine Katze. Die Geräusche der Nacht. David hatte sie erst in den letzten Nächten kennengelernt.
Und er badete in Angst. Es war keine punktuelle, panische Angst, sondern eher ein allumfassendes Hintergrundgefühl, das ihn schon seit Tagen begleitete. Seit sieben Tagen, um genau zu sein. Sie war stetig gewachsen, mit jedem neuen Tag, jeder neuen Sekunde.

David wusste inzwischen ziemlich genau, was mit ihm passierte. Es war vollkommen absurd, aber es passierte.

Und er konnte einfach nichts mehr dagegen tun, er hatte den kritischen Punkt bereits überschritten.

Vor einer Woche hatte es angefangen, vollkommen harmlos, an einem wunderschönen Sonntagnachmittag. David wollte das sonnige Frühlingswetter genießen und beim Angeln die Seele baumeln lassen. Es war der erste warme Tag nach einem langen und strengen Winter, unzählige Menschen flanierten über die Promenade, saßen in Eiscafés oder aalten sich in der Sonne. Alles erwachte zum Leben.

David hatte jedoch nicht das Bedürfnis, sich unter diese Menschen zu mischen. Viele Menschen bedeuteten Lärm, vor allem viele Kinder. Sein Ziel lag hinter dem Strand, dort, wo die Felsen sich türmten und es würde ihm die Abgeschiedenheit bescheren, die er brauchte. Er wollte seine Ruhe haben. Einige Dinge für wenige Stunden vergessen.

Ganz oben auf dieser Liste des Vergessens stand die Sache mit Ellen, geschehen vor ziemlich genau einem Monat. Sie waren gerade einmal zehn Wochen zusammen gewesen (nicht neun wie Ellen behauptete), dennoch hatte ihm diese Angelegenheit einen tiefen Stich in sein ohnehin schon angeschlagenes Herz versetzt.

Es ist einfach nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Er liebte sie noch immer, aber er hasste sie für diesen Satz.

David litt schwer, obwohl er sich von vornherein darauf eingestellt hatte. Schließlich war es immer so. Und es würde wahrscheinlich auch beim nächsten Mal so sein.

Außerdem gab es seit Wochen Stress im Büro. Ein neuer Chef, der sich zum Ziel gesetzt hatte, jedem Menschen auf der Welt das Leben zur Hölle zu machen, und zwar noch vor seinem vierzigsten Geburtstag. Kollegen, die ständig stichelten und hinter Davids Rücken gemeine Dinge über ihn erzählten. Seine chronischen Magenbeschwerden kamen nicht von ungefähr. Dann war da noch die Wohnung; sie besaß das Flair einer vollgekotzten Ausnüchterungszelle, war kaum größer als eine Garage und die Nachbarschaft ließ zu wünschen übrig. Ständig flatterten Rechnungen ins Haus und seine Eltern lagen ihm damit in den Ohren, dass sie in seinem Alter längst verheiratet waren und zwei Kinder hatten. Obendrein wurmte David noch die Tatsache, dass er langsam Fett ansetzte und dass die ersten grauen Haare aus seinem Kopf sprossen.

Das Leben war einfach beschissen.

Mittelmaß prägte sein ganzes Dasein. Da war nichts Aufregendes, nichts Außergewöhnliches. Kein Salz und kein Pfeffer. Das Leben plätscherte so dahin, wie ein dünnes Rinnsal in der Sonne. Es würde irgendwann einfach enden, versiegen und verdunsten, ohne dass wirklich etwas geschehen war.

Das Angeln war für David der einzige Weg, für kurze Zeit an nichts von all dem zu denken. Er warf die Rute aus und beobachtete die kleinen Wellen, die spielerisch die schroffen Felsen umspülten. Viele Menschen angelten auf dem großen Holzpier, das weit ins Meer hinaus reichte, doch David zog es vor, sich hier in aller Ruhe, fernab von jeglichem Lärm, seinen Hintern auf den harten und kantigen Steinen wund zu sitzen. Weit und breit war niemand zu sehen, sein bevorzugter Angelplatz lag geschützt zwischen steil aufragenden Klippen, die nur von kargen Sträuchern bewachsen waren. Vor ihm breitete sich der endlose Ozean aus und über ihm hing ein blauer Himmel, an dem sich einige Möwen tummelten. Weit draußen zogen zwei Fischkutter vorbei; dahinter, durch die Ferne verschwommen und kaum mehr erkennbar, eine der großen Autofähren.

Noch stand die Sonne hoch, aber in etwa drei Stunden würde sie den Horizont erreichen und ihn erglühen lassen. Das war Davids Lieblingszeit. Der Übergang zwischen Tag und Nacht. Das brachte ihm einen fast vollkommenen inneren Frieden. So auch die Ruhe. Es gab keinen Weg hier herunter und man musste klettern, um zu diesem idyllischen Fleckchen zu gelangen. Den meisten Leuten war das zu anstrengend.

Nach etwas weniger als vier Stunden, die Sonne war verschwunden,  hatte David drei Fische gefangen, einen davon warf er zurück in den Ozean. Jener Glückspilz war noch zu klein, außerdem konnte David ohnehin nicht mehr als zwei Fische verzehren.

Nicht alleine.

Wenn Ellen noch da wäre, ja dann...

Er verwarf den Gedanken, als der grellbunte Schwimmer der Angel sich plötzlich langsam auf und ab bewegte. David erhob sich, nahm die Rute in die Hand und holte mit viel Gefühl die Schnur ein, begleitet vom präzisen Klicken der Kurbel. Es war das einzige Geräusch außer dem steten Atmen des Windes und dem unaufdringlichen Schlagen der kleinen Wellen, die sich an den Felsen brachen.

Als der Gegenstand, den er gefangen hatte, die Wasseroberfläche durchbrach, starrte David einige Sekunden stirnrunzelnd auf dieses grüne, runde Ding. Es war etwa so groß wie ein Apfel und hatte eine geschlossene, pelzige Oberfläche, in der sich der silberne Haken verfangen hatte. Davids erster Gedanke war, dass es sich um einen Schwamm handelte. Doch nach einiger Überlegung kam er zu dem Entschluss, dass Schwämme definitiv anders aussahen.

Ein Fisch war es sicher auch nicht. Eine Qualle? Nein. War es überhaupt ein Tier? Eine Pflanze? Da war absolut nichts, das auf ein Lebewesen hingedeutet hätte. Doch es ging eine seltsame Faszination davon aus.

David konnte es nicht einfach zurück in die Brandung werfen. Er nahm es vom Haken und war verwundert darüber, wie weich sich die Oberfläche anfühlte. Und gleichzeitig schien es hart wie Stahl zu sein und lag angenehm schwer in der Hand.

Kein Tier, keine Pflanze. Ausgeschlossen.

Er packte es behutsam in seine Angeltasche und nahm es mit nach Hause. Seine Neugier war geweckt. Vielleicht handelte es sich um etwas Wertvolles. Etwas Seltenes. Etwas Außergewöhnliches. Eine Mutation. Ein Kunstwerk. Irgend etwas. Doch das alleine war es nicht. Es war einfach das Gefühl, dieses Ding haben zu müssen.

Und dieses Ding musste ihn haben.

Im Fernsehen lief an diesem Abend nichts Besonderes, wie immer. Das Fernsehen war ein guter Indikator, wenn es um die zunehmende Verblödung der modernen Gesellschaft ging. Davids Finger wieselten ständig über die Fernbedienung und zappten durch die vielen Kanäle, die kein Mensch brauchte. Das Programm war zermürbend. Am Fließband hergestellte Eigenproduktionen und billige Serien. Scripted Reality. Reportagen ohne Sinn und Inhalt. Glücksrad. Big Brother. Datingshows.

Was armselige Menschen doch alles tun, um ihre Fresse in die Kamera halten zu können, dachte David und nippte lustlos an seinem Bier.

Er wusste, dass er anders sein könnte. Und er wollte es auch sein. Er wollte aufspringen, sein Leben packen, es kräftig schütteln und etwas Besonderes damit anstellen. Ausbrechen aus diesem ganzen Mist, sich trennen von all den Mitläufern der Gesellschaft. Einfach alles ändern. Doch die Verlockung, ständig wieder in eben diesen bequemen Trott zu verfallen, war einfach zu groß. Es war leichter, mit den anderen zu marschieren, als sich von der Gruppe zu trennen.

Schließlich fand David eine Dokumentation über ein Erdbeben in Peru. Der Kommentator erzählte etwas über geologische Verwerfungen, Plattentektonik und Magmaablagerungen. Doch plötzlich richtete sich Davids Aufmerksamkeit auf diese kleine Kugel, die auf dem Tisch stand. Es schien, als zöge sie seinen Blick mit unablässiger Kraft an, ohne sein eigenes Zutun.

Er konnte die Augen einfach nicht mehr davon losreißen.

Die Kugel.

Sie war nichts anderes als ein grünes, pelziges Etwas.  Abgesehen von den winzigen, dünnen Härchen war sie absolut konturenlos. Geruchlos. Leblos.

Und dennoch...

Da spürte David zum ersten Mal dieses Gefühl in seinem Kopf, dieses undefinierbare Brummen, das unter seiner gesamten Schädeldecke zu vibrieren schien. Wie ein Erdbeben in meinem Kopf, dachte er und massierte sich mit zusammengekniffenen Augen die Schläfen. Dieses Ding verursacht sie! Und im gleichen Augenblick schon hielt er den Gedanken für absurd.

Doch dieser Gedanke reifte langsam vor sich hin, während die Tage vergingen.

Etwas schien anders zu sein. Zunächst konnte David nicht genau sagen, was es war. Im Grunde genommen waren diese Tage wie alle anderen. Es geschah nichts Außergewöhnliches. Natürlich nicht. David ging zur Arbeit, ließ alles mehr oder weniger heroisch über sich ergehen, rettete sich mit letzter Kraft nach Hause und verbrachte die Abende alleine. Keine Freunde kamen vorbei, keine Frau lag in seinen Armen. Nicht mal ein Hund pinkelte auf den Teppich. Oberflächlich betrachtet hatte sich nichts geändert.

Dennoch ging etwas vor sich, es rührte sich unter der Oberfläche seines Lebens. Man musste schon genau hinsehen, hinfühlen, um es zu bemerken. Es waren Gedanken, die ihm fehlten, und Erinnerungen. Er merkte es bei der täglichen Arbeit. Er vergaß Dinge. Kleinigkeiten. Es fehlten ihm plötzlich Informationen, die er seit Jahren in seinem Kopf gehabt hatte. 

Mit jedem Tag wurde es schlimmer. Er konnte sich einfach an viele Dinge aus seinem eigenen Leben nicht mehr erinnern: Wie hieß das Mädchen, von dem ich meinen ersten Kuss bekommen habe? War es damals der rechte oder der linke Arm, den ich mir im Skiurlaub gebrochen habe? Mag ich lieber Zitroneneis oder welches mit Vanillegeschmack?

Er vergaß den Geburtstag seiner Schwester. Sie rief ihn am Tag darauf an und fragte, ob alles in Ordnung sei. Er bejahte, entschuldigte sich und beendete das Gespräch unter einem Vorwand. Das alles war beängstigend. Und jeden Abend betrachtete er diese unscheinbare grüne Kugel, während der Fernseher lief. Stundenlang, ohne es wirklich zu merken.

Als ob all das nicht genügte, bestimmte eine zunehmende innere Leere sein Leben. Sie war schon seit Jahren da, doch jetzt wuchs sie mit rasender Geschwindigkeit an und höhlte ihn immer mehr aus. Der spärlicher Rest an Energie, sich überhaupt noch über irgendetwas Gedanken zu machen (einschließlich über die Tatsache, dass ihm immer mehr Gedanken fehlten), würde bald aufgebraucht sein.

Und genau deshalb wurde es immer schwieriger, sich dagegen zu wehren. Ein Teufelskreis umschlang ihn, so wie eine Würgeschlange ihr wehrloses Opfer umschlingt. Bald schon würde der Punkt erreicht sein, von dem aus es kein Zurück mehr gab.

All das schürte eine bis dahin nicht gekannte Aggressivität in David. Es fand ein innerer Kampf statt, dessen Heftigkeit sich nach außen hin entlud. Beim Autofahren schrie er andere Fahrer an, zeigte ihnen den Finger und schlug wutentbrannt auf sein Lenkrad. Auf der Arbeit fuhr er wegen Kleinigkeiten aus der Haut, legte sich mit Kollegen an und fluchte so laut, dass es auf vermutlich auf der gesamten Etage zu hören war.

Alle hatten ihn nur ungläubig angestarrt und schnitten ihn jetzt noch mehr als zuvor. Sie würden sich noch mehr über ihn das Maul zerreißen. Es war Wasser auf ihren Mühlen.

Und zuhause saß er nur noch da, beobachtete diese Kugel und schäumte über vor Wut und Zorn, innerlich so angespannt, dass sein ganzer Körper nichts weiter als ein einziger Krampf zu sein schien.

Etwas musste geschehen. Und es würde auch etwas geschehen.

Die Frage war nur, ob David es zu seinen Gunsten beeinflussen konnte, ob er es überhaupt noch beeinflussen konnte.
 
Anfangs war es nicht mehr als dieses unangenehmes Gefühl gewesen. Und er hatte es nur in der Nähe der Kugel verspürt. Doch über die Tage hinweg war es immer schlimmer geworden. Und jetzt, eine Woche später, tigerte David mit seiner Zigarette auf und ab und war sich einer Sache vollkommen sicher: Dieses Ding hatte sich während der vergangenen Tage lediglich auf ihn eingestellt. Nun kannte es seine Frequenz vollständig, spielte auf ihm. Jetzt wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis es ihn endgültig unter Kontrolle hatte.

Woher kommt es? Er nahm einen tiefen Zug und spürte, wie der Rauch seine Lungen füllte. Und wie kann es das nur tun, was es tut? Oder bilde ich mir am Ende alles nur ein? Werde ich verrückt? Und plötzlich spürte er, wie ihm auch diese Gedanken langsam entglitten. Sie rannen ganz langsam wie Sand durch die Finger seines Verstandes. Noch konnte er sie mit einiger Anstrengung halten, doch bald wären auch sie verloren.

In einem Anfall von schierer Panik hetzte David ins Badezimmer.

Kaltes Wasser...

Kaltes Wasser würde seinen Kopf klarer machen.

Ein letzter Strohhalm, an den er sich klammerte.

Er ließ die Badewanne mit kaltem Wasser voll laufen, kniete sich davor und tauchte sein Gesicht hinein. Dreißig Sekunden. Eine Minute. Seine Lungen brannten. Und für einen Augenblick dachte David, er würde sich selbst ertränken. Dann hätte es ein Ende. Ist es überhaupt möglich, mich auf diese Weise zu ertränken? Wäre es schmerzhaft? Natürlich wäre es das. Wer möchte schon ertrinken.

David schnellte hoch und japste nach Luft. Seine stechenden Lungen füllten sich wieder mit Luft. Wasser tropfte aus seinen Haaren und lief über sein Gesicht. Er fühlte sich benommen. Schwindel überkam ihn, als er hilfesuchend nach oben zur Decke sah. Dennoch stemmte er sich hoch, stützte sich mit beiden Händen auf das kleine Waschbecken und betrachtete lange sein Gesicht im Spiegel. Das künstliche und sterile Licht der Halogenlampe hob seine Blässe hervor. Er sah furchtbar aus.

Doch nicht nur das.

Jegliches Gefühl von Vertrautheit war verschwunden. Es war, als würde er einem Fremden gegenüber stehen. Er erkannte zwar sein Gesicht, aber in seinen Augen sah er nichts mehr, das ihn an sich selbst erinnert hätte.

Ein letztes Aufbäumen strömte durch Davids Körper und Verstand, als er ins Wohnzimmer lief und dieses Ding packte mit der festen Entschlossenheit, es zurück ins Meer zu werfen. Da, wo es herkam. Doch als er es berührte, als seine Finger sich um diese samtige Oberfläche legten, da flammte ein greller Blitz des Schmerzes in seinem Kopf auf, so essenziell und ursprünglich, als käme er direkt aus der Hölle.

David zuckte zusammen, ließ die Kugel auf den Tisch fallen und schlug sich die Hände vors Gesicht.

Ich tue es nie wieder! Versprochen! Ich tue alles, was du von mir verlangst! Er meinte es ernst.

Der Schmerz verebbte augenblicklich, nur sein Echo hallte noch einen Moment lang hinter Davids Stirn. Und mit diesem Echo verhallte auch ganz langsam die Entschlossenheit, sich der Kugel zu entledigen. Nach zehn Minuten war nichts mehr davon übrig.

Jetzt ist der Punkt erreicht, dachte David. Und morgen werde ich vergessen haben, dass diese Kugel überhaupt existiert.

Die Kugel gewinnt.

David schlich in den Garten, um ein Loch zu graben. Ein apfelgroßer, runder Gegenstand verschwand darin, bevor er das Loch wieder schloss und langsam ins Haus zurück schlenderte.

Die Kugel wollte in seiner Nähe sein. Sie verlangte es.

Sie wollte von ihm zehren, gierte nach seinen Gedanken.

Noch eine ganze Weile lag David wach, starrte zur Decke und zählte die Fugen zwischen den Brettern. Er fühlte die Gegenwart der Kugel.

Doch das Gefühl wurde schwächer. Als er am nächsten Morgen erwachte und sich den Schlaf aus den Augen rieb, war die Aggression in ihm verschwunden und mit ihr auch sämtliche Erinnerungen an die Kugel. Er fragte sich nie wieder, wer seine Gedanken stahl.

Die Kugel ruhte in der Erde, nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Sie konnte sich nun stärkten und nähren, für die nächsten  fünfzig Jahre, wenn es nötig war. Bald schon würde junges und saftiges Gras über ihr gewachsen sein.

Und irgendwann würde jemand sie finden.

So war es immer.

Schon seit Tausenden von Jahren.


© Pascal Schäfer

 

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