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DGBS Aretäus-Preis 2015

bipolaris-Mitglieder, in der Mitte Uwe Wegener (mit Preis)

Der Aretäus-Preis 2015 wurde der Selbsthilfevereinigung bipolaris Berlin/Brandenburg e.V. verliehen.

DGBS-Betroffenenvertreter Martin Kolbe hielt bei der Auftaktveranstaltung zur Jahrestagung 2015 in der Weststadthalle Essen am 18. September 2015 die Laudatio, die hier in Auszügen wiedergegeben wird:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe DGBS-Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde,
  
mir wurde die Ehre zuteil, den Aretäus-Preis der DGBS 2015 für besondere Verdienste im Bereich Bipolare Störungen überreichen zu dürfen. Mit diesem Preis möchte die DGBS Menschen oder Institutionen würdigen, die ein besonderes Engagement durch Initiativen, Projekte, Ideen oder Aktivitäten zeigen.
  
Bei den Vorschlägen für die diesjährige Preisverleihung stand schon früh ein Favorit fest und alle im Vorstand waren sich einig, dass gerade dieser Preisträger unsere Auszeichnung ganz besonders verdient. Wer sich in der deutschen „Bipolar-Szene“ - wenn ich das mal so nennen darf – ein wenig auskennt, dem ist der Name des Preisträgers ein Begriff und ich denke, es gibt niemanden, der an der Preiswürdigkeit zweifelt.
  
Der Aretäus-Preis 2015 geht an bipolaris Berlin-Brandenburg, hier und heute vertreten durch Uwe Wegener.
  
Seit ich die Website der DGBS betreue, fällt mir immer wieder auf,  wie aktiv und effektiv bipolaris arbeitet.  Es ist nur eine Handvoll Leute, aber was die auf die Beine stellen, ist schon sehr beachtlich. Regelmäßig kann ich neue bipolaris-Termine auf unsere Website stellen, es gibt mehrere Veranstaltungen pro Jahr mit sehr interessanten Themen, hochkarätig besetzt und, soweit ich weiß, auch sehr gut besucht. Das Berliner Konzert der Bipolar Roadshow im letzten Jahr wurde zusammen mit bipolaris veranstaltet, hervorragend organisiert und durchgeführt. Seit ein paar Jahren betreibt die DGBS zusammen mit bipolaris einen gemeinsamen Stand beim DGPPN-Kongress in Berlin, den wir ohne die Unterstützung von bipolaris gar nicht durchgängig betreuen könnten. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank dafür. Bipolaris ist bislang die einzige Vereinigung zum Thema bipolar, die auf Landesebene tätig ist. Die DGBS versucht seit Jahren, Landesverbände aufzubauen und es ist bis jetzt noch nicht in keinem einigen Fall gelungen, weil sich einfach keine Menschen finden, die hier Engagement zeigen und Verantwortung übernehmen möchten. Das zeigt, wie mühsam es ist, so etwas zu schaffen und dann auch weiterzuführen, was noch einmal schwieriger ist. Schon allein die Tatsache, wie lange und konstant bipolaris arbeitet, verdient also großen Respekt.
  
Jeder Verein, jede Initiative braucht einen Motor, einen Mastermind; jemanden, der für Kontinuität und neue Ideen sorgt, der Menschen begeistern und anleiten kann und der auch in schwierigen Zeiten – und die gibt es unweigerlich – das Schiff auf Kurs hält. Ein Prachtexemplar eines solchen Motors ist ganz gewiss Uwe Wegener. Kennengelernt habe ich ihn bei der DGBS-Tagung 2009 in Berlin als sehr kompetenten, überlegten und zurückgenommenen Menschen. Die weiteren Begegnungen in den folgenden Jahren festigten dieses Bild; es waren immer sehr anregende, interessante und herzliche Treffen und ausnahmslos konstruktiv.
  
Nun ist Uwe ein sehr bescheidener Mensch, der sich nie in den Vordergrund drängen und sich mit seinen Taten brüsten würde. Dadurch war es nicht einfach für mich, herauszufinden, was er eigentlich alles macht bei bipolaris und wie seine tägliche Arbeit aussieht. Zum Glück fand sich ein geheimer Informant, der mir da weiterhelfen konnte. - Ich weiß, Uwe, das hast Du gar nicht gern, aber da musst Du jetzt durch und ich lese aus diesem konspirativen Papier vor:
  
„Ich schreibe dir hier ganz heimlich, also so, dass Uwe es nicht schon vorher erfährt.
  
Ich finde, du solltest in deiner Laudatio auf seine besondere Rolle bei der Entwicklung von bipolaris eingehen und da dachte ich, ich "flüstere" dir einige Informationen zu. Uwe ist viel zu bescheiden, um dir diese zu geben.
  
Ohne Uwe gäbe es bipolaris nicht und wenn doch, dann wäre der Verein wahrscheinlich schon zerfallen. Er sagte mir mal, dass das vielleicht stimme, aber ohne die anderen Mitstreiter wäre seine Arbeit auch nicht möglich. Auch in unserem Verein muss es ein Leit-Tier geben. Das ist Uwe, obwohl er diese Rolle nicht haben will, dazu ist er einfach zu bescheiden.
  
Er hat die Fähigkeit, ausgleichend zu wirken, wenn die Wogen mal hochkochen. Es ist sicher nicht verwunderlich, dass unter Bipolaren die Emotionen manchmal etwas aus dem Ruder laufen. Durch seine sachliche, ruhige und wertschätzende Art hat Uwe es immer wieder geschafft, einen Konsens mit fast allen zu finden. Er besitzt eine hohe soziale und kommunikative Kompetenz und legt Wert auf gemeinsame Entscheidungen auf Augenhöhe.
  
Uwe kann gut zuhören und dem Gesprächspartner das Gefühl geben, verstanden zu werden. Er hält sich zurück mit Rat"Schlägen", sondern gibt lieber Empfehlungen oder zeigt Alternativen auf. Was er gar nicht mag, sind pauschale Zuschreibungen wie "Du bist manisch", sondern er legt Wert darauf, zu beschreiben, wie der andere auf ihn wirkt - ohne diesen zu verletzten - und Angebote zu machen.
  
Er hat immer großes Verständnis für die Befindlichkeiten anderer (Betroffener). Er schimpft NIE, wenn jemand etwas Versprochenes nicht einhalten kann und er hat immer ein offenes Ohr, wenn sich jemand wegen eines Problems an ihn wendet.
  
Als Informatiker von Berufs wegen hat er anfangs unsere Homepage ganz allein aufgebaut und gepflegt, wie auch unsere Kontaktdatenbank, in der sich inzwischen über 3.000 Adressen befinden. Das muss schließlich alles unterhalten und ständig aktualisiert werden. Das hat dazu geführt, dass wir von außen als viel größer und professioneller wahrgenommen werden, als wir tatsächlich sind.
  
Manchmal ist er an seine physischen und ich glaube auch psychischen Grenzen gekommen. Es gab eine Zeit, da war er darauf und dran, den Vorsitz von bipolaris abzugeben. Zum Glück hat er es nicht getan. Ich kenne Uwe seit 2009. Ich kann mich nicht erinnern, ihn jemals klagen gehört zu haben. Er äußert lediglich, dass er sich wohl wieder mal etwas übernommen habe und vielleicht etwas kürzer treten müsse. Dass er das tatsächlich umgesetzt hat, habe ich nur in der Zeit erlebt, als sein Sohn zur Welt kam.
  
Uwe ist unglaublich gut in Berlin vernetzt. Man hat den Eindruck, er kennt das psychiatrische System Berlin wie seine Westentasche und auch die Leute, die an den unterschiedlichsten Stellen darin arbeiten.
  
Das ist ein großes Pfund, von dem bipolaris sehr profitiert. Er steht dem psychiatrischen System produktiv kritisch gegenüber. Ihn interessieren Strukturen, Gremien und Organe, in denen etwas bewirkt und verändert werden kann, z.B. arbeitet er in der überörtlichen psychosozialen Arbeitsgemeinschaft in Berlin mit. Sein Anliegen ist es, als Betroffenen-Vertreter auf die Neufassung des PsychKG in Berlin Einfluss zu nehmen. Er ist auch Mitglied des Klinikbeirates an der Charité.
  
Uwe hat die EX-IN-Ausbildung absolviert und gehört zu den ersten bezahlten Peer-Beratern in Berlin. Er arbeitet an der Bipolar-Tagesklinik am Vivantes Humboldt Klinikum Berlin, das von Prof. Bräunig geleitet wird.
  
Inzwischen arbeiten drei von bipolaris als Peer-Berater dort, das haben wir Prof. Bräunig und natürlich der guten Vorarbeit von Uwe zu verdanken.
  
Uwe hatte den Traum, eine eigene, unabhängige Bipolar-Beratung anbieten zu können. Das haben wir realisiert und arbeiten nun schon zwei Jahre.
  
Uwe arbeitet auch als Dozent u.a. in der Ausbildung im Rahmen der psychiatrischen Krankenpflege. Er hält regelmäßig Vorträge bei Veranstaltungen, die mit der Psychiatrie zu tun haben. Uwe und bipolaris werden immer mehr wahrgenommen und angefragt. Im Land Brandenburg sind wir die einzige Landesorganisation auf psychiatrischen Gebiet.
  
Zusammen mit der Psychiatrieinitiative Berlin-Brandenburg arbeitet er an einem Projekt mit, das Peer-Beratung in ambulanten Praxen möglich machen soll. Er hat auch maßgeblich dazu beigetragen, dass es in Berlin im November 2014 eine große EX-IN-Tagung gab, auf der Professionelle, Träger und Peer-Berater zusammenkommen konnten. Bipolaris hat diese Veranstaltung ausgerichtet, organisiert und dafür Fördermittel beim Paritätischen beantragt und erhalten, ganz einfach, weil es keine andere Organisation gab, die das hätte machen können. Wir haben inzwischen so viel Erfahrung und Ressourcen, dass wir das tatsächlich bewältigen konnten, obwohl es für alle eine Kraftanstrengung war.
  
Die Psychiatrieinitiative Berlin-Brandenburg hat uns als Untermieter in ihre Räumlichkeiten aufgenommen, sodass wir uns jetzt für eine wirklich günstige Miete eine eigene Geschäftsstelle leisten können und sogar einen Mitarbeiter auf 450 €-Basis einstellen konnten. So haben wir sogar, wenn auch nur als Minijob, für einen arbeitslosen Betroffenen einen kleinen Arbeitsplatz geschaffen.
  
Pläne haben wir viele. Unter anderem ist die Idee entstanden, ein Buch aus der Sicht der Selbsthilfe zu schreiben. Wir denken auch darüber nach, ob wir eigene Fortbildungen für Professionelle, etwa für Ärzte oder Polizisten anbieten sollten.
  
Was wir davon verwirklichen können, wissen wir noch nicht. Bisher konnten wir jedoch fast alle unserer Ideen umsetzen.“

  
So weit die Informationen des bipolaris-Whistleblowers. Lieber Uwe, es ist mir eine große Freude, Dir und bipolaris diesen Preis übergeben zu dürfen. Herzlichen Glückwunsch!

Das Video der Preisverleihung ist auf dieser Seite zu sehen.

 

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