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Besonderheiten im Verlauf

Rapid Cyling: Das Phänomen der „raschen Zyklen“ beschreibt das Auftreten von mindestens vier Episoden in einem Jahr, wovon mindestens eine hypomanisch oder manisch ist. Rapid Cyling gestaltet sich etwas schwierig in der Behandlung, deswegen sollten die Betroffenen unbedingt in einer Spezialambulanz behandelt werden. Die raschen Zyklen können im Extremfall auch innerhalb weniger Tage (Ultra Rapid Cycling) oder am selben Tag innerhalb von Stunden (Ultra Ultra Rapid Cycling) schwanken.

Kippen: Die meisten Patienten erleben das Auftreten von Episoden als langsam und schleichend. 10% der Betroffenen „kippen“ jedoch direkt in die Depression oder Manie, d.h. die Stimmungslage wechselt über Nacht oder innerhalb eines Tages in den depressiven oder manischen Pol. Häufig berichten Patienten, dass sie früh­morgens aufwachten und sich plötzlich in einer depressiven Episode befanden. Dieses „Kippen“ ist nicht ungefährlich, denn davon Betroffene neigen vermehrt zu Alkoholkonsum und sind auch verstärkt suizidgefährdet. Eine stationäre Aufnahme ist in diesem Fall dringend anzuraten! Auch das Kippen in die Manie ist möglich. Umgekehrt gibt es auch das schlagartige Kippen aus einer Episode, die mehrere Wochen oder gar Monate angedauert hat, heraus. Wenn ein depressiver Patient auf einmal gut gelaunt beim Frühstück sitzt, als hätte es das vorangegangene wochenlange Stimmungstief nicht gegeben, führt dies oftmals bei den Angehörigen zu Unverständnis und sogar Aggression. In der therapeutischen Begleitung sollte dieses Phänomen daher unbedingt vor dem Auftreten erwähnt und in der konkreten Situation mit den Angehörigen besprochen werden.

Switchen: Die Verwendung von Antidepressiva kann unter Umständen nicht nur eine Normalisierung der Stimmungslage zur Folge haben, sondern sogar zu einem leichten Stimmungshoch führen. Ein höheres Switchrisiko weisen vor allem die tri­zyklischen Antidepressiva (TCAs) sowie jene mit einer sogenannten noradrenergen Wirkung auf, ein geringeres hingegen die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs). Letztendlich richtet sich die medikamentöse Behandlung nach dem Krankheitsverlauf im Gesamten, da gewisse Medikamentengruppen auf bestimmte Verlaufsformen besser ansprechen. Es ist wichtig, ein Switchphänomen zu registrieren, da sich damit ein bipolarer Krankheitsverlauf bestätigt, hingegen eine rein depressive Erkrankung eher auszuschließen ist. Diese Verlaufsform wird von einigen Autoren (Akiskal) auch bipolar III genannt.

Mischbild, Mischzustand, gemischte Episode: Es kann vorkommen, dass ein depressiver Mensch um 4 Uhr früh aufwacht und über seine scheinbar ausweglose Lebenssituation verzweifelt, voller Ängste den Tag beginnt und so niedergeschlagen seinen Angehörige und Kollegen begegnet. Im Laufe des Tages wechselt dann die Stimmung, er ist wieder guter Dinge und voller Tatendrang – sehr zur Verwun­derung seiner Umwelt. Ebenso können manische und depressive Symptome gleichzeitig vorhanden sein. Die Beurteilung solcher Patienten ist stark abhängig von der Tageszeit. Als Behandler ist man oft versucht, den Angehörigen keinen Glauben zu schenken, wenn sie den Patienten völlig anders schildern, als dieser sich in der Arztpraxis präsentiert. Auch für den Betroffenen ist es oft schwierig, diese „Achterbahn“ der Gefühle zu verstehen. Vor allem beim Übergang von einer Episodenqualität in die andere können solche gemischten Zustände auftreten.

 

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