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Erfahrungsbericht Basisseminar des „Lernort: Selbsthilfe“ 2018

Das dreitägige Basisseminar des „Lernort: Selbsthilfe“ vom 17. bis 19. November 2018 vermittelte in seiner Einzigartigkeit enormes Wissen von Betroffenen für Betroffene oder Angehörige.

Dabei haben die beiden Seminarleiter in einer sehr einfühlsamen Art sowohl Neulinge als auch erfahrene Betroffene abgeholt. Mit insgesamt 12 Teilnehmenden aus allen Regionen Deutschlands war eine immer wieder abwechslungsreiche Gruppenarbeit umsetzbar.
Besonders lobenswert war die Abfrage der körperlichen Befindlichkeit und seelischen Stimmung der einzelnen Teilnehmer, was den Seminarleitern ein gutes Barometer gab, achtsam mit sich und der Gruppe umzugehen.

Das Seminar war in 3 Module aufgeteilt. Im ersten Modul wurde über die Fakten zur Bipolaren Störung „geballtes Wissen“, auch Dank der geschickten Einbindung der erfahrenen Teilnehmenden, vermittelt und ausgetauscht. Dies war besonders wertvoll für die Betroffenen, deren Diagnose noch sehr frisch war. Der Informationsbedarf wurde reichlich gedeckt!

Das zweite Modul stellte die wichtige Rolle und die wertvolle Arbeit der DGBS in der Öffentlichkeit vor. Schnell wurde klar, dass die derzeit 50 aktiven Ehrenamtlichen eine Herkules-Aufgabe in Projekten und Arbeitsgruppen, Seminaren und Kongressen stemmen müssen. Es ist enorm wichtig, die Wahrnehmung der DGBS mit ihren ca. 2.000 Mitgliedern zu erhöhen und Mitglieder zu werben, da die Arbeit allen Betroffenen hilft. Das Besondere an der DGBS ist ihr Ansatz des Trialogs, bei dem neben den Betroffenen eben auch die Angehörigen und die „Profis“ eingebunden sind. Zu den Profis zählen sowohl Ärzte, als auch Psychologen, Therapeuten und Pflegepersonal. Im Seminar wurde an mehreren Stellen deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel dieser verschiedenen Parteien für Alle ist. Am Nächsten sind uns die Angehörigen, die oft eine extrem wertvolle Stütze für den Betroffenen sind. Wegen der dauerhaften Belastung benötigen gerade sie Hilfen in unterschiedlicher Form. In unseren Gesprächen wurde deutlich, wie wichtig der Arzt und/oder der Psychologe/Psychotherapeut für den Betroffenen sind, und dass sie völlig unterschiedliche Rollen und damit auch Möglichkeiten für die Behandlung haben.

Den erfahrenen Betroffenen, die bereits in einer Selbsthilfegruppe aktiv sind oder eine Gruppe gründen wollen, bot das 3. Modul unschätzbar wertvolle Hinweise. Von der erfolgreichen Gründung, über die verschiedenen notwendigen Rollen und Aufgaben bis hin zur Konfliktbewältigung wurden viele Aspekte beleuchtet. Rollenspiele und der Austausch von Erfahrungen boten Raum zur Vertiefung und Verinnerlichung für einen professionelleren Umgang miteinander. Dabei war immer wieder das Ziel, klar zu machen, was die besonderen Herausforderungen der Bipolaren Störung sein können und wie man Eskalationen und Spaltungen einer Gruppe vermeiden kann.
Auch wurde deutlich, dass die vielen Aufgaben bei der Gründung und Leitung einer Gruppe für einen Betroffenen alleine schnell zu viel werden können und es sich deshalb empfiehlt, mehrere Personen in die Organisation einzubeziehen. Daher ist diese Seminarreihe auch für alle anderen Personen interessant und wertvoll, die zwar nicht die Leitung einer Gruppe übernehmen wollen aber bereit sind, in unterstützender Form tätig zu werden.

Insgesamt sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Selbsthilfegruppe neben der klassischen medizinischen und psychotherapeutischen Behandlung eine wesentliche Säule der Therapie für Betroffene und Angehörige sein kann. Umso wichtiger ist es, hier ein passendes Angebot zur Befähigung interessierter Menschen bieten zu können und gleichzeitig ein „Qualitätsmerkmal“ zu installieren, für entsprechend gut aufgebaute Selbsthilfegruppen. Die Teilnehmenden tauschten sich auch darüber aus, dass es offensichtlich immer noch zu wenige Selbsthilfegruppen für Bipolare und deren Angehörige in Deutschland gibt, z. B. in einer Großstadt wie Köln nur zwei „gelistete“ Gruppen.

Wir können dieses Seminar nur jedem wärmstens empfehlen und verneigen uns vor den Seminarleitern, wie sie mit der Gruppe auch unter manchmal schwierigen Bedingungen mit Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen umgegangen sind. So war der persönliche Stressfaktor durch 3 volle Tage mit viel zu wenig Pausen gerade noch vertretbar.

 
 
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