Kontrast

Aretäus-Preis 2017

Prof. Dr. Martin Schäfer stellt die Preisträger vorVor der Laudatio erläuterte Prof. Dr. Martin Schäfer Hintergrund und Historie des Aretäus-Preises und stellte die beiden Preisträger kurz vor
Karl-Heinz Möhrmann, Barbara Wagenblast, Prof. Martin Schäferv.l.: Karl-Heinz Möhrmann (in Vertretung von Horst Giesler), Barbara Wagenblast, Prof. Martin Schäfer (1. Vorsitzender der DGBS)
Stefanie Huberts LaudatioStefanie Huberts Laudatio

Horst Giesler übernahm als erstes offizielles Amt 2005 anlässlich der 5. Jahrestagung in Bonn die Sprecherfunktion der neu gegründeten Angehörigen-Initiative und entwickelte mit den Angehörigen die ersten Angehörigen-Seminare. Im September 2007 wurde Herr Giesler als Angehörigenvertreter in den Vorstand der DGBS gewählt. Wichtige Akzente waren die Mitarbeit an der S3-Leitlinie, die Arbeit an der Satzung hin zur Gemeinnützigkeit und die Aufnahme in 2010 in die BAG SELBSTHILFE. Neben zwei Selbsthilfegruppen für Angehörige, die er ins Leben gerufen hat, ist er auch Mitglied im Vorstand im Bündnis gegen Depression in Nordhessen.

Barbara Wagenblast hob sich ebenfalls über viele Jahre durch außergewöhnlichen Einsatz in der DGBS und für die DGBS im Bereich Angehörigenarbeit hervor. Zu nennen ist u.a. der Einsatz über 6 Jahre (2009-2015) als Mitglied im Vorstand. Sie gründete 2007 eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von bipolar Erkrankten und engagiert sich seitdem in der Schulung von Angehörigen. So organisiert sie seit 2010 die so wichtigen und gut besuchten Seminare für Angehörige in ganz Deutschland und ebenfalls das Beratungstelefon der DGBS. Nebenbei findet sie auch noch Zeit Vorträge für Ärzte und Pflegekräfte zu halten und Informationsstände der DGBS bei zahlreichen Tagungen und Kongressen zu betreuen.

Laudatio zum DGBS Aretäus-Preis 2017

Prof. Schäfer hat schon vieles genannt, was die beiden Gelobten über viele Jahre hinweg erkämpft und erreicht haben. Ich könnte noch viele weitere Einzelverdienste aufzählen, aber ich finde es wichtiger, und ich denke, dass auch die Geehrten es wichtiger finden, darüber zu sprechen, warum dieses Engagement so wichtig ist.

Die Bipolare Störung ist eine Erkrankung, mit der sich nicht nur der Erkrankte, sondern die ganze Familie auseinandersetzen muss.

Bevor eine Diagnose gestellt wird, geht eine Familie nicht selten jahrelang mit durch Höhen und Tiefen. Die Angehörigen sind in der Regel von der Situation völlig überfordert und tun in ihrer Hilflosigkeit - sicher häufig mit bester Absicht! - genau das Falscheste. Was müssen Angehörige tun, um ihren erkrankten Liebsten wirklich zu helfen? Und zwar ohne gleichzeitig aus Überforderung, Verzweiflung und Angst selbst in die Knie zu gehen, physisch, psychisch, sozial und finanziell? Das muss ihnen doch jemand sagen. Das kann man sich nicht ausdenken.

Doch in der Regel spricht keiner mit den Angehörigen.

Irgendwann gibt es möglicherweise eine Diagnose und dann? Dann brauchen Angehörige Menschen wie Barbara Wagenblast und Horst Giesler:

Viel schöner wäre doch eine Welt, wo wir Angehörige

Von selbst passiert das alles aber nicht.

Heinz Deger-Erlenmeyer, ein Urgestein in der Angehörigenbewegung, schrieb 1992, also vor 25 Jahren:

"Angehörige und Familien psychisch Kranker, die bis vor einigen Jahren, obwohl existenziell betroffen, hinter den Mauern ihrer Sprachlosigkeit als verschollen galten oder als "Ungehörige" von den psychiatrisch Tätigen dorthin verbannt wurden, melden sich zu Wort. Sie fordern Mitsprache und bringen ihre in langen Jahren erworbene Kompetenz im Umgang mit dem psychiatrischen Versorgungssystem in den Meinungsprozess ein. Eine bisher unbekannte Größe gewinnt Kontur, ein unberechenbarer Faktor belebt die Psychiatrieszene, und diese hat davon Kenntnis genommen."

Heute, 25 Jahre später, fürchte ich: Der Elan dieser Bewegung hat eher wieder abgenommen. Das darf aber nicht sein. Das ist ein Rückschritt. Zum Trialog müssen alle drei Seiten sich einbringen. Und genau deshalb ist die Arbeit von Barbara Wagenblast und Horst Giesler so wichtig:

Mit großem persönlichen, ehrenamtlichen (!) Einsatz, öffentlichen Auftritten, politischer Vernetzung und viel Geduld und Spucke schaffen sie es trotz eigener Belastung in der Familie, ganz konkret im Einzelfall zu helfen und außerdem den Angehörigen eine öffentliche Stimme zu geben.

Also, wer das schafft, dem gebührt auf jeden Fall der Aretäus-Preis!

Herzlichen Glückwunsch!
Stefanie Hubert

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