Kontrast

Einbeziehung von Angehörigen

Einbeziehung von Angehörigen und weiteren Vertrauenspersonen im Trialog gemäß S3-Leitlinienempfehlung

Manische, hypomanische, depressive oder gemischte Episoden sind typisch für bipolar veranlagte Menschen. Andererseits kann es auch lange Perioden geben, in denen sich Betroffene in einem ausgeglichenen Stimmungsbereich befinden. In diesen Phasen unterscheiden sich die Stimmungsschwankungen nicht oder kaum von denen psychisch stabiler Menschen.

Doch gerade darin liegen Tücken: In manischen oder hypomanischen Phasen hat der Betroffene nicht das Gefühl, krank zu sein. Ganz im Gegenteil. Depressive Phasen sind geprägt von Hoffnungs- und Antriebslosigkeit. Hier fehlt oft schlicht die Energie, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern. In symptomfreien Zeiten scheint alles "normal" zu sein, warum sollte man dann an Krankheit denken? Deshalb ist es bei Bipolaren Störungen besonders wichtig, dass Betroffene, Angehörige und Behandler sich gut miteinander abstimmen. Hierfür hat sich der Begriff "Trialog" seit 30 Jahren in Deutschland etabliert.

Die "S3-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung Bipolarer Störungen" enthält ausdrücklich Empfehlungen zum Thema Trialog und betont, wie hilfreich und letztlich sogar notwendig es für Behandler ist, nicht nur über betroffene Patienten und Angehörige zu sprechen, sondern mit ihnen, sie ernst zu nehmen und als gleichwertige Partner zu respektieren.

http://www.leitlinie-bipolar.de/wp-content/uploads/2019/11/S3_Leitlinie-Bipolar_V2_Update_20191018.pdf

Im Zusammenhang mit Bipolaren Störungen hat der Anspruch des Trialogs, Angehörige selbstverständlich einzubeziehen, eine besondere Berechtigung, da Angehörige durch die Spannweite der Phasen und die extremen Stimmungsschwankungen oft stark involviert und belastet sind. Trialog fördert das gegenseitige Verständnis für die mit der bipolaren Erkrankung verbundenen Probleme sowie das Finden von Lösungen, die von allen Seiten akzeptiert werden: Auf Seiten der Betroffenen führt der Trialog oft dazu, dass sie mehr Verantwortung übernehmen, aktiver sind und ihr Selbstmanagement gestärkt wird. Angehörige wiederum können sich besser und effektiver einbringen, wenn sie eingebunden und informiert sind.

Moderne Behandlungskonzepte wie z. B. die "Integrierte Versorgung" oder "Home Treatment" sind überhaupt nur in trialogischer Kommunikation und Abstimmung möglich. Eine "Partizipative Entscheidungsfindung" etwa erfordert auf Seiten der professionellen Helfer Transparenz und auf Seiten der Patienten Krankheitseinsicht und Bereitschaft zu kritischer Selbstbeobachtung. Wenn es die persönliche Situation der Patienten und der Angehörigen zulässt, sollten laut Empfehlung der "S3-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung Bipolarer Störungen" nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Angehörige bei der Entscheidung über das angestrebte Behandlungskonzept mit einbezogen werden. Dazu bedarf es jedoch in jedem Fall der Zustimmung der Patienten.

Die Unberechenbarkeit und Spannweite Bipolarer Störungen stellt auch für Angehörige eine große Belastung dar. Viele Angehörige sind mit der Zeit selbst in ihrer gesundheitlichen Stabilität gefährdet, Partnerschaften halten der Belastung nicht stand, Familien zerbrechen. Insbesondere Kinder von Erkrankten sind vielfältigen Belastungen ausgesetzt – mit einem hohen Risiko, selbst zu erkranken. Zugleich verbessert jedoch umgekehrt die Einbindung der Familie bei der Behandlung bipolarer Patienten häufig den Krankheitsverlauf und die Wiedereingliederung ins "normale" Leben. Die Art des trialogischen Miteinanders entscheidet mit, ob sich die Belastung zu einem Teufelskreis verdichtet oder ob sich auf Seiten der Betroffenen und Angehörigen Ressourcen mobilisieren lassen.

Die Einbeziehung und Unterstützung der Angehörigen kann auf unterschiedliche Weise geschehen, z. B. durch:

Die Einbeziehung der Angehörigen hat folgende Ziele:

Die "S3-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung Bipolarer Störungen" lässt keinen Zweifel daran: Die direkte Beteiligung engagierter Betroffener, Angehöriger und anderer Bezugspersonen soll selbstverständlich sein. Eine gute Beziehungskultur ist entscheidend.

erstmals formuliert: Mai 2019

 

 

News

08.10.2020Wissen von Kindern und Jugendlichen über psychische…

An der Philipps- Universität Marburg, Fachbereich Psychologie, AG Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, wird untersucht, was Kinder und Jugendliche über [… weiterlesen]
nach oben
IE 10
IE 11
Cookies ermöglichen Ihnen die bestmögliche Nutzung dieser Website. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, erklären Sie sich mit unseren Datenschutzrichtlininen einverstanden.. Bestätigung mit »OK« schließt diesen Hinweis. Mehr Infos / Datenschutzerklärung